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Testumgebung – Seite 2 – catal.de

Das Patriarchat. Definition, Geschichte und Symptome

By | Altsteinzeit, Anthropologie, Buch "Archäologie und Macht", Buch: Der Gott im 9. Monat, Jungsteinzeit, Krieg

Fettschwanzschafe Usbekistan
„(…) Das Patriarchat wurde vor ca. 8000 Jahren mit dem Aufkommen des Viehnomadismus in den Steppengebieten errichtet. Die Frau wurde in die Ehe gezwungen und sie hatte ihrem Ehemann und seiner Herde zu folgen. Unsere indoeuropäische Sprache, die aus der Steppe stammt, ist entsprechend durchsetzt mit Metaphern aus der Tierzucht. Eine Frau, die ihre female choice frei lebt, also selbstgewählte, wechselnde Sexualpartner hat, wird als „unzüchtig“ (sinngemäß: sich der Zucht entziehend) oder „zügellos“ bezeichnet. Es handelte sich um eine bis dahin unbekannte Denk- und Lebensweise, in der sich die Männer ihrer väterlichen Linie bewusst geworden waren (Patrilinearität) und die Frauen und Kinder daher zwingen konnten, bei ihnen zu wohnen (Patrilokalität). Bei der Beobachtung der Tiere, welche der Mann wie ein Schöpfergott nach seinem Willen zu züchten begann, passierte der größte Irrtum der Menschheit, nämlich, dass die Frau nur das Gefäß männlichen Samens sei. Zu teuer und obendrein meist unwillig war die Frau für den Mann zur Last geworden, Ursache des tiefen Hasses auf die Frauen, sowie männlicher Überheblichkeit und des Machtstrebens. Als Ziel des Patriarchats ist in den Heiligen Schriften die Abschaffung der Mutter erkennbar, deren Metapher „Fruchtbarkeitsgöttin“ sukzessive durch einen allmächtigen, d.h. unsterblichen, menstruierenden, gebärenden und stillenden Gott ersetzt wurde. Dieses Ziel erschien wie oben erwähnt im Sozialdarwinismus neu verpackt wieder an der Oberfläche patriarchalen Denkens. In unserer Zeit wird es durch die Reproduktionsmedizin, die Patentierung der Muttermilch, die Fremdbetreuung der Kinder u.a. vorangetrieben, mitgetragen auch von einem falsch verstandenen Feminismus, der die Frau von dieser vermeintlich lästigen und undankbaren Aufgabe zu befreien sucht. Dass es das Patriarchat auf die besonders kostbare Fähigkeit der Frau, Mutter zu werden, abgesehen hat, wurde vom Feminismus nicht erkannt und von den Gender Studies ausgeblendet. Eine Frau, die ihr Frausein über ihre Fähigkeit, Mutter zu werden, definiert, wird als biologistisch abgewertet, sind da ja auch Männer, denen das ermöglicht werden soll. Die Strategie ist denkbar einfach. Erst der Frau unerträglich gemacht, dann von ihr abgelehnt und vom Patriarchat scheinheilig diffamiert, kann die Mutterschaft der Frau weggenommen werden, um die Supervaterschaft, den Endsieg des Patriarchats, Wirklichkeit werden zu lassen. In den Heiligen Schriften ist dieses Ziel von Gott-Vater längst umgesetzt. Aber was will der Patriarch mit dieser Fähigkeit? Wird sie ihm einst nicht ebenso lästig und unangenehm wie der patriarchalisierten Frau? Mit der Supervaterschaft sucht der Mann Unsterblichkeit, die ihm zur totalen Macht fehlt. (…)“

Den ganzen Artikel finden Sie hier: http://www.gabriele-uhlmann.de/patriarchat.htm

female choice – unser Menschenrecht

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Buschleute San
Inhaltsangabe. Ganzer Artikel zum Download (PDF). Es ist die Frau, die wählt. Diese sog. female choice ist das oberste Naturgesetz der Evolution. Sie ist auch das Erfolgsgeheimnis der menschlichen Evolution, unseres Menschseins, denn sie bedingte die Zusammenarbeit beider Geschlechter in der Sippe, in der die Mütter und Kinder stets im Zentrum der Fürsorge standen. Die female choice als Basis dieser Kooperation kommt daher nicht der Frau allein zugute, sondern allen Menschen. Sie ist nicht nur ein Frauenrecht, sondern ein echtes Menschenrecht, und die Männer täten auch im eigenen Interesse gut daran, sie zu achten. Die Unterdrückung der female choice macht das Patriarchat und seine Folgen erst möglich. Die Erforschung des Patriarchats ist in diesem Sinne Ursachenforschung. Sie liefert die Antwort auf die Frage, warum ausgerechnet der Mensch, der für sich in Anspruch nehmen kann, eine besonders intelligente und soziale Tierart zu sein, Kriege führt, und sich mit psychischen Problemen, Zivilisationskrankheiten und Epidemien herumschlagen muss. Diese Probleme betreffen andere Arten auch nur dann, wenn der Mensch sie aus ihrem artgerechten Leben reißt. Auch keine andere Tierart neigt zu Überbevölkerung oder hat Umweltprobleme ausgelöst, die es in seiner Existenz bedrohen. Die Überbevölkerung ist die unmittelbarste Folge der Unterdrückung der female choice und erst in zweiter Linie mit einigem Abstand Folge der landwirtschaftlichen Überproduktion. Letztere war wiederum nur wegen der steigenden Bevölkerungszahlen möglich geworden. Sämtliche menschengemachte Probleme, mit denen die Weltgemeinschaft heute zu kämpfen hat, sind daher ursächlich mit der Unterdrückung der female choice bzw. dem Patriarchat in Verbindung zu bringen. Im folgenden Artikel erläutere ich diese Feststellung anhand der vielen Funktionen und unterschiedlichen Formen der female choice, unserem Menschenrecht, von dem nur Wenige wissen.

Ganzer Artikel zum Download (PDF).

Mein Kommentar zu einem Biologismus-Vorwurf in einem Blog:

Wie wollen wir einem Erdogan (Quelle) entgegentreten, der die Gleichberechtigung für unnatürlich hält? Oder den Maskulisten, die das auch behaupten?
Wenn wir ihnen mit nichts weiter als Gender und Feminismus entgegentreten, also ideologischen Konzepten, dann haben wir in Wahrheit NICHTS und nochmal NICHTS entgegenzusetzen! Dann steht Aussage gegen Aussage. Ideologie gegen Ideologie. Dann gibt es den Krieg, den wir jetzt haben.

Mir kommt es darauf an, das anthropologische Wissen zu verbreiten, dass GLEICHBERECHTIGUNG DURCH UND DURCH BIOLOGIE IST. Die female choice sorgt auf natürliche Weise dafür. Die Natur ist nicht biologistisch und sie benachteiligt weder Frauen noch Männer. Das Pfund mit dem wir also wuchern können, unser selbstbewusstes Frau- und Muttersein, verunglimpfen die Gendermainstreamer als biologistisch und machen sich damit genaugenommen Erdogan gleich.
Wenn Gleichberechtigung nur eine kulturelle Errungenschaft wäre, dann bestünde keinerlei Hoffnung, dass wir jemals weltweit zu ihr zurückfinden. Denn Kultur wird im Patriarchat immer über die Natur gestellt, und nur daraus bezieht das Patriarchat seine Energie. Es zieht seine Energie aus der Unterdrückung der female choice.

Die HEILIGE HOCHZEIT der babylonischen Zeit ist dafür DAS Symbol schlechthin. Es geht in diesem Ritual um die Aneignung sog. weiblicher Macht (vermeintlicher Macht, denn Patriarchen können nur in dieser Kategorie denken) mit dem Mittel der Unterdrückung der female choice, dies öffentlich im Staatsritual mit einer Vergewaltigung zur Schau gestellt. Das Ritual finden wir heute verweltlicht in der Prostitution, in den Kriegsvergewaltigungen, in sexuellem Missbrauch etc.. „Sperma Care“ ist in diesem Sinne nichts weiter als das Dafür-Sorge-Tragen, dass der Mann weiterhin die Oberhand behält.
In meinem Buch „Der Gott im 9. Monat“ http://www.amazon.de/dp/3738639012 habe ich beschrieben, dass es dem Patriarchen darum geht, sich die Natur der Frau einzuverleiben, um die Allmacht zu erringen, die Unsterblichkeit, die Macht über Leben und Tod. Das versucht er nicht nur mit Unterdrückung zu erreichen, sondern auch damit, dass er der Frau das Frau- und Muttersein madig macht. Was uns keine Freude mehr bereitet, kann der Patriarch ergreifen und seine Willkür darüber ausüben. Begreifen wir doch endlich wie KOSTBAR unsere Fähigkeiten sind, so kostbar, dass die Patriarchen in ihrem Gebärneid sie uns wegnehmen wollen! Und ziehen wir uns nicht selbst gegenseitig herunter in vorauseilendem Gehorsam gegenüber dem Patriarchat.
Erdogan will uns auf die Mutterrolle zurückwerfen, schreibt der SPIEGEL. Das ist Gender-Soziologen-Vokabular, aber MUTTERSEIN IST KEINE ROLLE. Diesem Irrtum sind doch auch Erdogan und seine patriarchalen Ahnen schon erlegen, nur drückt er es weniger intellektuell aus. Mütter spielen buchstäblich weder im Patriarchat noch sonst wo eine Rolle. Wir befinden uns aber sprichwörtlich im falschen Film. Das habe ich in meinem Text ausgeführt. „Rolle“ ist ein moderner Begriff für „Gefäß“, dieses Wort wurde einst dafür benutzt. Aber eine Mutter ist kein Gefäß, in das ein Embryo vom Mann hineingepflanzt wird, kein Gefäß, das nach der Geburt leer ist und weggeworfen werden kann…kein Anhängsel, das nach der Geburt das Kind dem Patriarchen schenkt, überlässt, aushändigt, ausliefert.
Ein Topf wird nach dem Kochen abgewaschen und in den Schrank gestellt, ein Topf wird BENUTZT, so wie ein Schauspieler eine Rolle „spielt“, weil es anderen gefällt.

MutterSEIN in der matrifokalen Sippe, also unter Wahrung der female choice, bedeutet in erster Linie Glück und Selbstbestimmung. Dieses Glück vererbt sich direkt und epigenetisch auf die Kinder. Matrifokalität bringt keine frustrierten jungen Männer hervor, die Bomben werfen, oder unglückliche Frauen, die sich prostituieren müssen. Keine Frau MUSS unter Matrifokalität Mutter werden, keine Lesbe, kein Schwuler wird diskriminiert, sondern sie werden aufgefangen und in der Sippe geliebt und gebraucht. Welcher Mann sich darum reißt, mit Kindern leben zu wollen, wird nicht als Väterrechtler per Gericht einer Mutter die Kinder wegnehmen können, sondern findet in der Sippe ausreichend Betätigungsfelder, die ihn keinen Cent kosten. Ebenso ist sexueller Frustration vorgebeugt, weil niemand ein Treuegelöbnis leisten muss. Treue findet in der Sippe statt, auf natürliche Weise, durch verwandtschaftliche Bindung, durch sich gegenseitiges Versorgen. Die Sexualität ist davon völlig getrennt und braucht keine Treue. Frauen und Kinder sind in der Sippe vor Übergriffen geschützt, weil keine Ideologie Tätern Rückhalt gibt, und weil die Sippenmitglieder füreinander Verantwortung empfinden.

Schon heute leben sog. alleinerziehende Mütter vor, dass es die natürlichste Sache der Welt ist, nicht von einem Mann abhängig zu sein. Sie erleben den Rückhalt ihrer Mütter und Schwestern, sind also gar nicht allein, und werden es nie wieder sein. Reich wird frau so vielleicht nicht, aber zufrieden. Wenn nur die nächste Generation es genauso macht, sind wir auf einem guten Weg.

Das Patriarchat kam aus der Steppe: Kurgan-These international bestätigt

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Marija Gimbutas musste sich in der Vergangenheit für ihre sog. Kurgan-These immer wieder in einer unsachlichen, schändlichen Kampagne mit Schmutz bewerfen lassen, weil sie nachweisen konnte, dass die ersten Patriarchen, Reiterkrieger aus der südrussischen Steppe, das matrifokale Alte Europa mit Krieg überzogen und patriarchalisierten. Jetzt hat sie starke Rückendeckung aus der Genetik erhalten, womit die Kritiker eigentlich verstummen müssen.

Mit einer Großstudie unter Federführung von David Reich von der Harvard Medical School, und des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte (Jena), die an der DNA von knapp 100 Skeletten, die 3000 bis 8000 Jahre alt sind und aus unterschiedlichsten Kulturen stammen, vorgenommen wurde, bestätigt sich, dass die indoeuropäische Kultur aus der südrussischen Steppe stammt. Die Untersuchungsergebnisse veröffentliche jüngst das online-Magazin des SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT. Äußerst erfreulich ist dabei, dass in dem Artikel, den Jan Osterkamp schrieb, die Worte „Kurgan“ und „hierarchisch-patriarchisch“ fallen. Zudem ist der Text mit Wikipedia, Stichwort „Kurgan-These“, verknüpft, wo Marija Gimbutas als Begründerin der These erwähnt ist.

http://www.spektrum.de/news/indoeuropaeisch-kommt-aus-der-steppe/1335235

Dagegen scheint es die NEW YORK TIMES nicht für nötig zu halten, sie auch nur zu erwähnen:

http://www.nytimes.com/2015/06/16/science/dna-deciphers-roots-of-modern-europeans.html?_r=1

Der Archäologe David Anthony, der in dem NYT-Artikel als Experte befragt wird, muss sich aus schlechtem Grund dazu äußern. Er hat sich in der Vergangenheit an der Schmutzkampagne gegen Marija Gimbutas immer wieder beteiligt. Dabei ist er es höchstpersönlich, der mit seinen Forschungsergebnissen nichts anderes tut, als immer wieder Gimbutas These zu bestätigen. Mit seiner These der mafiösen „Wolf-Gangs“, Horden junger Männer, die als Wölfe verkleidet raubschatzend durch die Gegend zogen, belegt er auch die Gewaltbereitschaft der Steppenbewohner. Die parasitäre und schizophrene „Wissenschaft“ des David Anthony erreicht mit der Leugnung der aggressiven Natur der Eroberung Europas durch die Leute aus der Steppe (hier die Jamnaya-Kultur) einen neuen Höhepunkt: „David W. Anthony, an archaeologist at Hartwick College and an author of the Harvard study, said it was likely that the expansion of Yamnaya into Europe was relatively peaceful. ‚It wasn’t Attila the Hun coming in and killing everybody.’“ (Zitat aus NYT)

Was David Anthony offenbar nicht wissen will, sind die Fakten, die die Patriarchatsforschung zusammengetragen hat: Das Patriarchat ist nicht die natürliche Lebensform von homo sapiens. Als Hirtennomaden waren die Steppenbewohner die ersten Menschen überhaupt, die in Patriarchaten lebten, denn das Vieh, ihre Hauptnahrungsquelle, gehörte den Männern, die die Frauen zwangen, mit ihnen zu ziehen. Das bedeutet nichts anderes, als dass sie auch die ersten Frauenunterdrücker waren. Wer immer ihnen auf der Suche nach Weideland im Wege stand, wurde regelrecht wegrasiert. Das betraf vor allem die Ackerbauern. Dies alles hält Anthony für „relativ friedlich“. Damit behauptet er indirekt auch, dass Gewaltbereitschaft dem Menschen angeboren sei. In Internet-Foren lesen wir, dass leider immer noch die Mehrheit der Menschen genau dies glaubt. Dass das Patriarchat die Ursache allen Übels ist, wird daher oft nicht wahrgenommen und geleugnet. Diese Verteidigung des Patriarchats dürfte die Folge des kollektiven Stockholm-Syndroms sein, dem die Menschheit verfallen ist.

Die Ackerbau-Kulturen des Alten Europa, die Marija Gimbutas beschrieb, lebten nicht in Patriarchaten, sondern matrifokal und friedlich. Entsprechend sind bis zum Ende dieser Kulturen keine kriegerische Handlungen nachweisbar, wie ich es in meinem Buch „Archäologie und Macht“ erläutert habe. Erst mit der Einführung der Rinderzucht kam Gewalt auf. Das bandkeramische Massaker von Talheim wurde wahrscheinlich von umherziehenden Rinderzüchtern angerichtet. Mit dem Untergang der Bandkeramik gingen auch die frühen patriarchalen Zellen wieder unter, sie löschten sich selbst aus. Der früheste Nachweis einer Kern-Familie, also Vater, Mutter, Kind, die patriarchale Lebensform, gelang in Eulau, wo Mitglieder einer Siedlung der Schnurkeramik gewaltsam ums Leben kamen. Die ersten stabilen Patriarchte kamen aus der Steppe, und sie überrollten das Alte Europa mit ihrer Masse und mit ihrem Panzer, dem Pferd. Mit dem Patriarchat kam auch die Überbevölkerung, die schon zum Auszug aus der Steppe geführt hatte. Die Überbevölkerung der Menschheit ist immerhin als Ursache aller menschgemachten Probleme allgemein anerkannt. Weniger bekannt ist, dass sie die Folge der Unterdrückung der female choice durch den patriarchalen Mann ist, der einen ausgeprägten Gebär- und Stillneid entwickelte. Bei der Beobachtung, dass der Stier oder der Hengst die Kuh oder die Stute „befruchtete“, was „mit Frucht versah“ bedeutet, verrannte er sich in dem folgenschweren Irrtum, dass die Frau nur das Gefäß seines Samens sei. Diese Haltung hielt mit den Indoeuropäern auch im ackerbäuerlichen Leben Einzug, wo die Ackerfurche mit dem weiblichen Geschlecht gleichgesetzt wurde und der Sämann der Herr über das Leben der Pflanzen wurde, wo ursprünglich die Frauen die Felder bestellten. Dabei ist der vermeintliche Samen des Menschen lediglich Pollen.

Die indoeuropäische, patriarchale Denkweise und Sprache stammt aus den Patriarchaten der Hirtennomaden. Dieses Faktum sollte nun endlich Einzug in die Wissenschaft halten. Da die Kirche, die den „Guten Hirten“ als ihren Gott hochhält, die Herrschende Lehre immer noch in Geiselhaft hält, müssen wir darauf wohl noch länger warten.

Uniprofessorin verbreitet Unwahrheit über die Strontium-Isotopen-Befunde aus Talheim

By | Anthropologie, Archäologie, Bandkeramik, Buch "Archäologie und Macht", Gender Studies, Jungsteinzeit, Studie

‚Was Knochen erzählen und was nicht‘ titelt ausgerechnet ein Artikel der MAIN-POST GESCHICHTE vom 09. März 2013 (oder hier auf der Uni-Seite), in dem die Untersuchungsergebnisse der Skelettreste des „Massakers von Talheim“ falsch wiedergegeben werden. Darin wird behauptet, dass „eine Strontium-Isotopen-Analyse der Zähne ergab, dass einige Frauen – im Gegensatz zu den übrigen Opfern – nicht in Talheim aufge­wachsen sind.“ Dies ist die Unwahrheit. Es hat nämlich jene Strontium-Isotopen-Analyse (siehe Abbildung) in Wahrheit ergeben, dass mindestens drei weibliche Opfer einheimisch und nur ca. drei ortsfremd waren. Ebenso stammten auch mindestens fünf Männer von außen. Der extremste ortsfremde Wert stammt sogar explizit von einem Mann! Dies habe ich ausführlich schon 2012 in meinem Buch „Archäologie und Macht“ besprochen.

diagramm-korrektur

[ Abbildungsunterschrift: Korrektur des Ergebnisses der Strontium-Isotopen-Analyse auf der Basis des Diagramms von Price et al. 2006, S. 272. Die schwarze gestrichelte Linie bezeichnet den Durchschnitt. Je größer die Abweichung davon nach unten oder nach oben, desto ortsfremder ist das Individuum. Von mir ergänzt sind die Spektren für Ilsfeld und Vaihingen (weiß) sowie die weiße Trennlinie für Hochland- und Niederungswerte und die schwarzen Striche unter den Nummern für ab 10jährige. Mädchen ab ca. 10 Jahren sind für Frauenraub interessant. Schon in meinem Buch veröffentlichte ich die offensichtlichen Fehler, die bei der Übertragung der Daten in das Diagramm gemacht wurden, so dass ich eine Korrektur der Grafik vornehmen musste. ]

Auch wenn die Archäologin Heidi Peter-Röcher, Professorin am Lehrstuhl für Vor- und Frühge­schichtliche Archäologie der Universität Würzburg, zurecht über die Sensationsgier in der Archäologie „den Kopf schüttelt“, beteiligt sie sich hiermit an dem Versuch der Herrschenden Lehre, die Talheimer Funde dazu zu benutzen, eine patriarchalische  Gesellschaft zu zeichnen; denn nur in einem solchen gesellschaftlichem Umfeld sind Ehrenmorde denkbar, über die sie für Talheim spekuliert.

Wie Professor Dr. Kurt ALT in einem SPIEGEL-Artikel mitteilen ließ, fand die Arbeitsgruppe Palaeogenetik der Universität Mainz Folgendes heraus: „Die Starčevo-Farmer sind die Ahnen der Bandkeramiker. Diese wiederum breiteten sich als eine Bewegung von Tanten, Onkeln und Schwestern aus“. Diese Feststellung, die heutzutage auch leicht als ‚gender-korrekt geschrieben‘ überlesen werden kann, muss wörtlich genommen werden. Die Untersuchungen passen in kein patriarchales Szenario, bestätigen also für die Bandkeramische Kultur Matrifokalität und kein Patriarchat!

Dies bedeutet nicht, dass hier eine gewalttätige matrifokale Kultur gefunden wurde. Die Bandkeramik war an ihrem Ende patriarchalem Druck von außen ausgesetzt. Dies dokumentiert das Massaker.

Literaturnachweis:

Jeske, Christine (red.): Was Knochen erzählen und was nicht. In: MAIN-POST GESCHICHTE vom 09. März 2013. Von

Price, T. Douglas; Wahl, Joachim; Bentley, R. Alexander: Isotopic Evidence for Mobility
and Group Organization Among Neolithic Farmers At Talheim, Germany, 5000 BC. In: European Journal of Archaeology. August 2006 vol. 9 no. 2-3 259-284

Schulz, Matthias: Multikulti in der Steinzeit. In: Der Spiegel Nr. 6, 31.1.2015, S.118-119

Uhlmann, Gabriele: Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte. Norderstedt 2012

 

 

 

Anmerkungen zu den “Reflexionen zur Fruchtbarkeits-Symbolik und zur kulturellen Entwicklung des menschlichen Sexualverhaltens“ von Gerhard Bott

By | Altsteinzeit, Anthropologie, Buch "Archäologie und Macht", Evolution, Frau, Medizin, Mutter | No Comments

(Dieser Blogbeitrag beschäftigt sich mit einem Text, der auf
http://www.gerhardbott.de/ bzw. als PDF erschienen ist.)

Ein „echter Bott“ ist auch dieser Text, der sich mit der Sexualität des Menschen von den Anfängen bis tief hinein in die Patriarchalisierung befasst. In juristischer Klarheit und Sprache rollt Gerhard Bott einige Gedanken aus seinem 2009 erschienenen, für die Patriarchatsforschung äußerst wichtigen Buch „Die Erfindung der Götter“ neu auf, die noch nicht ausreichend ausgeführt waren. Insbesondere die female choice brachte er in seinem Buch zwar aufs Tapet, sie rückte aber sogleich wieder in den Hintergrund, lag sein Hauptaugenmerk doch eher auf den wirtschaftlichen Bedingungen als Basis der Patrilinearität und Patrilokalität der Rindernomaden. Als erste Leserin des fertigen Manuskriptes von „Die Erfindung der Götter“ motivierte ich Gerhard Bott einst, das Manuskript auch als Buch zu veröffentlichen. In dem von mir verfassten Buch „Archäologie und Macht“ von 2012 befasste ich mich insbesondere mit der female choice, die ich als „freie Wahl der Frau von Partner, Ort und Zeit des Geschlechtsverkehrs“ definierte, und die mich schon seit meinen frühen Forschungsjahren beschäftigte. Insofern war ich gespannt, wie Bott meine Einwände und Hinweise nun verarbeitet hat.
Besonders gefallen haben mir die Unterüberschriften „Der Phallus als Sexualorgan und gefälliger Diener der Vulva“, „Der Phallus als Fruchtbarkeitssymbol und Samenspender“, „Der Phallus als Herr der Vulva“, die allein schon ausdrücken, wie die keineswegs einfache oder plötzliche Überhöhung des Mannes schrittweise inszeniert wurde. Insofern ist dieser neue Text ein Gewinn für die Patriarchatsforschung.
Leider vernachlässigt Bott aber die jüngeren Publikationen, die wichtige Details, auf denen er seine Argumentation aufbaut, als veraltet erscheinen lassen. Bedauerlich ist, dass er das Buch „Mütter und andere“ der amerikanischen Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy (auf dem deutschen Markt seit 2010) und die Arbeiten des Londoner Primaten-Forschers und Anthropologen Volker Sommer ignoriert. Leider erliegt er daher einigen Fallstricken, die die von ihm so treffend benannte „Urvater-Gemeinde“ ausgelegt hatte, und bleibt in manchen patriarchalen Vorurteilen und in patriarchaler Sprache verhaftet. Insofern ist der nun von ihm vorgelegte Text eine echte Enttäuschung.

Bott schreibt zu Beginn: „Sexualität als Notdurft. Jedes Tier ist ein Sexualwesen, aber es nimmt sich selbst nicht in seiner Sexualität wahr“ (S. 2), und baut die weitere Argumentation darauf auf. Allerdings, auf dem Gebiet der Bewusstseinsforschung steht die Zoologie noch ganz am Anfang. Worüber wir praktisch nichts wissen, ist die Frage, inwieweit Intelligenz mit Bewusstsein identisch sind. Intelligenz ist bei weitem nicht auf Primaten beschränkt. Neue Hinweise auf technische Intelligenz bei Tieren liefern ausgerechnet Vogelarten wie die Rabenvögel. Auch ihr ausgeprägtes Sozialverhalten spricht für eine sehr frühe evolutionäre Entwicklung von sozialer Intelligenz, die über Brutpflege hinausgeht. Auch Liebe ist bei Tieren nachweisbar, sogar artfremde Tiere entwickeln füreinander freundschaftliche bzw. liebevolle Gefühle. Muss sich das nicht auch zwangsläufig in der Sexualität offenbaren?
Wenn Sexualität eine reine Notdurft wäre, wäre jeder Sex eine Vergewaltigung, zumindest solange es keine eindeutige Brunftzeit gibt. Aber um den überlebenswichtigen Frieden zu wahren, bedarf es der Einvernehmlichkeit, das möchte Bott doch sicherlich nicht bestreiten. Die klare Trennung von Liebe und Geschlechtsverkehr braucht er jedoch für seine Beweisführung.

„Die Erotik“ soll seiner Meinung nach erst eine Erfindung der Menschenfrauen sein. Dass er keine allgemeingültige Definition für diese Erotik liefern kann, liegt an der Komplexität des Themas, das sich einer juristischen Prüfung entzieht, und für das es so viele Erklärungen wie Menschen gibt. Woher will er also wissen, dass Gorillas oder Bonobos, Tiere generell keine Erotik kennen, ihre Sexualität also reine Notdurft ist? Ist ein balzendes Männchen nicht für das Weibchen erotisch? Löst nicht die Erotik des Weibchens die Balz aus, weil das Männchen sie wahrnehmen kann? So muss ich bezweifeln, dass die Erotik, was auch immer er vielleicht darunter versteht, von Frauen erfunden wurde. Leider macht Bott keinerlei Angaben darüber, wann genau dies geschehen sein soll, eine für ihn untypische Ungenauigkeit, die mich aufmerksam macht. Aus seinen Ausführungen entnehme ich aber, dass er den Zeitpunkt der Erfindung mit der Menschwerdung ansetzt.
Ich verstehe unter Erotik in erster Linie die Wahrnehmung sexueller Anziehungskraft in Verbindung mit einem unterschwelligen Versprechen von Geschlechtsverkehr. Dies ist beiden Geschlechtern möglich. Dass Männer nicht nur sexuelle Signale wahrnehmen können, sondern auch bewusst oder unbewusst selber aussenden, sollte ihm doch geläufig sein. Müssten die Männer seiner These zufolge nicht diese Erfindung gestohlen haben? Ich möchte verstehen, was genau Bott meint.

Da er von der tierischen Sexualität als Notdurft spricht, kann er mit Erotik nur entweder die durch sexuelle Handlungen bestimmte Paarbildung oder Paarbindung oder beides zusammen meinen. Da es zur Paarbildung, wie ihm ja angeblich die Tiere beweisen, keinerlei Erotik bedarf, verbleibt nur die Paarbindung. Wie er schon im Buch richtig erkannt hat, ist die Monogamie beim Menschen ein patriarchaler Mythos. Seine Zeitangabe zur Dauer der natürlichen Paarbindung ist aber so ungenau wie falsch. Die Verliebtheit dauert natürlicherweise, darüber sind sich VerhaltensforscherInnen und die Allgemeinheit einig, höchstens 3 Monate und nicht, wie von ihm postuliert, bis zu mehreren Jahren für einen unwahrscheinlichen Fall, dass die (von ihm nicht näher erläuterte) Erotik aufrecht erhalten werden kann. Seltene Ausnahmen bestätigen vielleicht die Regel. Der Zeitraum entspricht der kurzen Phase, in der eine Schwangerschaft noch nicht offensichtlich ist.
Ein dicker Bauch macht eine Frau unattraktiv. In der Abhängigkeit des Patriarchat muss sie mittels Erotik den Partner in der Schwangerschaft und darüber hinaus an sich binden, oder ihn zu einer Prostituierten „schicken“, damit er sie und ihre Kinder weiterhin beschützt und ernährt. Diese besondere Erotik ist ein Verhalten, das Tierweibchen nicht nötig haben, und das in der Menschheitsgeschichte bis vor rund 7000 Jahren unbekannt war. In matrifokalen Kulturen sind Sexualität und die materielle Existenz nicht gekoppelt, wie Bott in „Die Erfindung der Götter“ bereits herausgearbeitet hatte. Sexuelle Liebe ist hier ein lustvolles Intermezzo, die gegenseitige Anziehungskraft folgt keiner langfristigen Notwendigkeit. Längere Beziehungen basieren auf Freundschaft, „gleicher Wellenlänge“, „Seelenverwandtschaft“. Die Paarbindung ist für die Aufzucht der Kinder nicht relevant, es sei denn, die Frau und der Mann leben in einer Robinson-Einsamkeit, wie sie in der patriarchalen Kleinfamilie gewissermaßen auch der Fall ist.

In Ausübung ihrer female choice sendet eine Frau bewusste Signale nur an denjenigen Mann aus, dem sie gefallen will. Unwillkürliche Signale, wie ihr Körperbau, werden von allen Männern wahrgenommen. Männer können theoretisch lernen, zu erkennen, welche Signale die Frau gezielt absendet. Im Patriarchat glaubt der Mann, den ersten Schritt zu tun und zu tun müssen, und übersieht ihre Absichten einfach. In Wahrheit kann er nur im zweiten Schritt auswählen, und auch nur aus der Gruppe der Frauen, die ihn interessant finden. An dieser Stelle setzt männliche Erotik an. Im Patriarchat hat sich der Mann eine in der Natur so nicht vorkommende „male choice“ verschafft, indem er die Frau wirtschaftlich dominiert (Geld macht sexy), um Hand beim Vater einer Frau, die ihm gefällt, anhält und schließlich auch seine Tochter verheiratet. In der Ehe muss die Frau ihre female choice endgültig unterdrücken, der Mann hingegen ist nur auf dem Papier sexuell unfrei. Frauen treten so in stärkere sexuelle Konkurrenz zueinander, was ihnen die Ausübung ihrer female choice noch weiter erschwert. Eine erotische Frau, d.h. eine ihre Weiblichkeit bewusst versprühende Frau, hat daher mehr Chancen. Bestimmtes weibliches Sexualverhalten, ein Teil der bekannten Erotik, ist daher erst im Patriarchat entstanden, herauspervertiert aus den altgedienten Möglichkeiten. Im Grunde ist der patriarchale Mann dabei, ein neues übersteigertes Erotikverhalten der Frau zu selektieren bzw. zu züchten, das er jedoch immer stärker unter Kontrolle bringen muss. Hiermit könnte, dies nur am Rande, die zunehmende Frauenfeindlichkeit auch erklärt werden.

Bott schreibt (S.7): „Dennoch ist zu bedenken, dass die Natur die Frauen mit einem äusserst starken Geschlechtstrieb ausgestattet hat. Wenn wir die Hodengrösse zugrunde legen, müssen wir ja für Männer, wie für Frauen ein Viertel der Sexualfrequenz der Bonobos annehmen, die viele Male täglich mit wechselnden Partnern kopulieren. Zu bedenken ist ferner: Die paläolithischen Sexualpartner waren jung, in den besten Jahren, denn die meisten starben mit 30 Jahren. Nach den naturwissenschaftlichen Befunden können wir für die paläolithischen Menschen das ganze Jahr hindurch zwei Kopulationen täglich als normal ansehen.“ Ich möchte zur Diskussion stellen, welchen evolutionären Sinn ein „äußerst starker Geschlechtstrieb“ der altsteinzeitlichen Frau haben sollte. Heute ist zwar zu beobachten, dass Frauen starke sexuelle Signale senden, aber „wenn es darauf ankommt“, ist das körperliche Begehren geringer als das des Mannes. Frauen wollen nicht immer, Männer dagegen schon eher. Aus evolutionärer Warte muss der Mann so sein, denn die Frau verbirgt ihren Eisprung und ist nur in einem kleinen Zeitfenster pro Monat fruchtbar. Wäre auch der Mann seltener bereit, käme es zu selten zum Geschlechtsverkehr, um die Population aufrechtzuerhalten. Die Fruchtbarkeit müsste dann wie bei den Hirschen zur Brunft synchronisiert werden. Bott schreibt außerdem (S. 7): „Die relative Hodengrösse des Mannes liefert uns den naturwissenschaftlichen Beweis dafür, dass er infolge des starken weiblichen Begehrens genetisch unter einem sehr viel stärkeren Bewährungsdruck stand, als der relativ träge Gorilla mit seinen sieben ‚Haremsdamen’.“ Die Hodengröße als Maß für die Sexualfrequenz ist keine Beweisführung, sondern lediglich eine These, die m.E. „phallo-orchischen“ Männerphantasien entstammt. Aus der medizinischen Forschung wissen wir längst, dass die Größe der Hoden nicht mit der Qualität des Spermas korreliert, die sich aus Menge des Ejakulats, der Zahl der Spermien und ihrer Vitalität zusammensetzt. (Genauso liefern große Brüste dem Baby nicht mehr Milch. Auch eine Frau mit sehr kleinen Brüsten kann ihr Kind voll stillen.) An der Befriedigung der Frau hat das Ejakulat letztlich keinerlei Anteil. Eine Erektion ist auch bei entleertem Hoden möglich, wenn die sog. Refraktärzeit beendet ist, die unterschiedlich lange andauert. Weibliche Sexualität ist auch nicht auf Penetration fixiert, somit spielt die Beschaffenheit des männlichen Sexualorgans nicht die Rolle, die sich Männer einbilden. Da Bott den Tieren die Erotik abspricht, muss er für den Gorilla eine gewaltsame Bindung der Weibchen an den Silberrücken postulieren. Aber auch hier irrt er, wie schon die Urvater-Gemeinde vor ihm, denn die Gorilla-Weibchen verlassen nicht selten die Gruppe für immer und wandern zu einem anderen Männchen ab, wie Volker Sommer es gezeigt hat. Daneben gehen Gorilla-Weibchen bei Gelegenheit auch fremd, so dass insgesamt von Zwangs-Monogamie und Monopolstellung des Silberrückens keine Rede sein kann. Wie soll ein Gorilla auch gleichzeitig mehrere Weibchen in Schach halten? Es scheint vielmehr so zu sein, dass sich mehrere Gorilla-Weibchen ein Männchen teilen, und zwar freiwillig. Auch hier wirkt die female choice, die Bott leider nicht, wie auch die „Urvater-Gemeinde“ als universelles Naturgesetz erkennt.

„Das sexuelle Wahlrecht der sapiens-Frau“ reduziert Bott in der Überschrift auf Seite 5 auf die vermeintliche Erotisierung. Dass er die female choice als eine mächtige, evolutionäre Größe nicht vollständig verstanden hat, beweist insbesondere dieser pseudowissenschaftliche Absatz: „Die sapiens-Frau, die ja ein Wissen um ihre Sexualität gewonnen hat, folgt ihrem Geschlechtstrieb nichtmehr geist- , gedanken-, phantasie- und scham-los,sondern erfährt und erlebt an sich selbst eine Differenzierung ihres Begehrens und ihrer Empfindungen. Sie ist damit gewillt und fähig, ihren Geschlechtstrieb in der Weise zu kultivieren, dass sie Erotik “ ins Spiel bringt „. Das sexuelle Verhalten wird dadurch wesentlich von Erotik mit bestimmt. Die Frau entwickelt Vorliebenfür bestimmte Männer oder, zeitlich begrenzt,für einen bestimmten Mann, wobei neben den animalischen Instinkten, wie Geruch, die Attraktion durch Pheromone (Ektohormone) u.ä., subtile erotische Attraktionen ihre Wahl immer stärker bestimmen.“ (S. 6) Der Prozess, den Bott hier beschreibt, ist ja nichts anderes als das Bewusstwerden der female choice, die zuvor auch unreflektiert über hormonelle Steuerungen funktionierte. Aber dies sprach er den Gorilla-Weibchen ja bereits ab. Neue Forschungen haben ergeben, dass das sog. sexuelle „Beuteschema“ genetisch bedingt ist, und Frauen sich Männer aussuchen, die einen ähnlichen Gesichtschnitt und ähnliche Chemie bzw. „Ausdünstungen“ aufweisen, dies über alle gesellschaftlichen Zwänge. Natürlich muss ein triftiger Grund vorliegen, dass eine Frau anfängt, in ihre female choice bewusst einzugreifen. Da die Natur dafür keinerlei Anlass liefert, muss ihr neues Verhalten gesellschaftliche Ursachen haben. Dass gerade Bott das Patriarchat mit seinen „subtilen erotischen Signalen“, wie dem Geld, als den entscheidenden Faktor bei der modernen Partnerwahl übersieht, und dieses Verhalten in die Altsteinzeit verlegt, ist geradezu ärgerlich.

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But nothing the copy said could convince her and so it didn’t take long until a few insidious Copy Writers ambushed her

Robert JohnsonThemeNectar

The Big Oxmox advised her not to do so, because there were thousands of bad Commas, wild Question Marks and devious Semikoli, but the Little Blind Text didn’t listen. She packed her seven versalia, put her initial into the belt and made herself on the way. When she reached the first hills of the Italic Mountains, she had a last view back on the skyline of her hometown Bookmarksgrove, the headline of Alphabet Village and the subline of her own road, the Line Lane. Pityful a rethoric question ran over her cheek, then she continued her way. On her way she met a copy.

Separated they live in Bookmarksgrove right at the coast of the Semantics, a large language ocean. A small river named Duden flows by their place and supplies it with the necessary regelialia. It is a paradisematic country, in which roasted parts of sentences fly into your mouth. Even the all-powerful Pointing has no control about the blind texts it is an almost unorthographic life One day however a small line of blind text by the name of Lorem Ipsum decided to leave for the far World of Grammar.

The Big Oxmox advised her not to do so, because there were thousands of bad Commas, wild Question Marks and devious Semikoli, but the Little Blind Text didn’t listen. She packed her seven versalia, put her initial into the belt and made herself on the way.

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Patrilokalität in der LBK verzweifelt gesucht – Neuer Anlauf nach dem Talheim-Desaster

By | Anthropologie, Archäologie, Bandkeramik, Buch "Archäologie und Macht", Jungsteinzeit, Studie

Bereits vor Jahren wurde erfolglos versucht, mit den naturwissenschaftlichen Untersuchungen am sog. Massaker von Talheim der späten LBK uns glauben zu machen, Patrilokalität sei für die erste Ackerbaukultur in Mitteleuropa, die Linienbandkeramik (LBK), bewiesen. In meinem Buch „Archäologie und Macht“, erschienen Anfang 2012, veröffentlichte ich die fundamentale Kritik an der Talheimforschung. Vor kurzem informierte mich eine aufmerksame Leserin, dass Anfang des gleichen Jahres eine neue Studie veröffentlicht wurde, die erneut vorgibt, Patrilokalität für die LBK bewiesen zu haben.

Die Skelettreste von über 300 Individuen der LBK-Zeit aus verschiedenen Gräberfeldern von West- bis Osteuropa und aus verschiedenen Jahrhunderten (5450-5100 v.u.Z.) wurden dazu auf ihre Strontium-Isotopen untersucht. Strontium-Isotopen lassen eine Aussage darüber zu, wo ein Mensch seine Kindheit verbrachte.
Der ORF berichtete über diese Studie in einem Artikel mit der Überschrift „Die Ungleichheit ist älter als gedacht“: „Als die Landwirtschaft vor rund 7.500 Jahren aus dem Nahen Osten nach Europa gekommen ist, haben sich schnell soziale Unterschiede entwickelt. Die sesshaften Bauern vererbten Grund und Boden an ihre Söhne. Wer keinen begüterten Vater hatte, musste wandern und sich eine Siedlung suchen.“ Die alte These, die LBK sei von ihrem Wesen her patriarchalisch, wird also wieder aufgekocht. Das Ergebnis der Studie wird allerdings am Ende des Artikels relativiert, lässt sich die Patrilokalität doch nach wie vor nicht für die gesamte LBK feststellen. Es ist zu hoffen, dass die LeserInnen bis dorthin gelesen haben: „Man müsste Skelettserien aus der ganz frühen Phase der Linearbandkeramischen Kultur mit Skeletten aus der ganz späten Periode vergleichen.“ antwortet eine der AutorInnen der Studie, die österreichische Prähistorikerin Maria TESCHLER-NICOLA, auf die Frage, „wie und wann genau es zu einer stark hierarchisch geprägten Gesellschaft gekommen ist“, wie wir sie in der Bronzezeit vorfinden.
Die Ergebnisse der Originalstudie bestätigen natürlich die Ausgangsthese der Forscher. Die Strontium-Isotopen sind bei den Frauen variabler als bei den Männern, und weniger variabel bei denjenigen Männern, die mit einer Axt aus Stein begraben wurden. Daraus wird nicht nur auf Patrilokalität geschlossen, sondern auch, dass Männer, die mit einer Axt bestattet wurden, einst die besten Lößböden besetzt hatten.
Einer der Autoren dieser Studie, R. Alexander BENTLEY, vertritt, wie ich in „Archäologie und Macht“ schon erläutert habe, die These, dass in der LBK bereits Almwirtschaft betrieben wurde. Auch dies wird in der neuen Studie nochmals aufgegriffen. Die Männer von außerhalb könnten, so BENTLEY, auch Hirten gewesen sein, die ja keine Äxte benötigen. Dass auch Frauen auf Almen tätig sind, weiß er offenbar nicht. Die These gefällt ihm vor allem deshalb, weil Hirtengesellschaften stets patriarchal organisiert sind und er damit seine Überlegung verwerfen kann, dass die Ergebnisse auch einfach nur den Umstand reflektieren könnten, dass die Männer mit den Äxten zu den Gruppen gehören, die zuerst die Lößböden besetzten, sie also lediglich die bandkeramische Migration reflektieren.

Die Ergebnisse lassen, so die Forscher, auch einen anderen Schluss zu, nämlich, dass die Männer, die ohne Äxte bestattet wurden, zu ihren Ehefrauen zogen, und diese Frauen von den Axt-Männern von den besten Böden verdrängt wurden. Diese Interpretation lassen die Forscher aber nicht gelten, da solche Erklärungen weder archäologisch noch genetisch gestützt seien. Sie tun nicht nur so, als gäbe es die archäologischen Befunde von Marija GIMBUTAS nicht, sondern sie haben die Chuzpe, ausgerechnet die Forschungsergebnisse von Sarah Blaffer HRDY „Mütter und andere“ (2010) für ihre These zu vereinnahmen. HRDY sagt, und dass wird von ihnen offenbar anerkannt (!), dass wir Menschen im Schutz matrifokaler Gruppen der Altsteinzeit erst zu dem sozialen und kreativen Wesen wurden, das wir heute sind. So ärgerlich dies für alle Seiten ist, es wird damit indirekt bestätigt, dass matrifokale Gruppen vom aufkommenden Patriarchat gewaltsam verdrängt wurden. Allein der Zeitpunkt ist noch strittig.

Die Forschergruppe versucht, anhand von insgesamt sieben Gräberfeldern die vermeintliche Patrilokalität der LBK nachzuweisen. Besagte Leserin lieferte mir dankenswerterweise dazu einen wertvollen Hinweis: „Wie Peter-Röcher jedoch zeigen konnte, handelt es sich bei den bandkeramischen Gräberfeldern lediglich um einen bestimmten Ausschnitt aus einer ganzen Anzahl von praktizierten Bestattungssitten, die nur wegen ihrer Ähnlichkeit mit den heutigen Verhältnissen in der Literatur unverhältnismäßig große Beachtung fanden. Die im Vergleich zu den Siedlungsfunden geringe Zahl der Gräberfelder, zugleich die Vielzahl der intramuralen Bestattungen gerade von Frauen und Kindern ist dabei ebensowenig berücksichtigt worden wie die Funde einzelner Knochenfragmente, die ebenfalls für Sekundärbestattungen sprechen“, stellt Ina WUNN in ihrer Dissertation aus dem Jahre 1999 fest. Die Leserin schreibt mir: „Wenn jetzt nur Friedhöfe untersucht werden, wird logischerweise ein systematischer Bias produziert, da ja diejenigen eng miteinander verwandten und in besonderem Maße mit dem jeweiligen Dorf verbundenen Frauen nicht erfasst werden können. Allein deswegen dürfte der Aussagewert der Studie eher als gering einzustufen sein.
Recht hat sie, es handelt sich bei den Skeletten der Studie keineswegs um einen repräsentativen Querschnitt aus der LBK, sondern um schon von den LBK-Leuten selbst vorsortierten Individuen. Auch die Auswahl der Gräberfelder selbst könnte mehr oder weniger bewusst ergebnisorientiert getroffen worden sein. Dieses fundamentale Problem bleibt nicht das einzige…

Natürlich hat es mich interessiert, die Studie genauer unter die Lupe zu nehmen – so wie ich es schon mit den Talheim-Studien getan habe – und tatsächlich bin ich fündig geworden.
Auf den ersten Blick ist nicht sichtbar, wie viele Männer und Frauen in jedem Ort untersucht wurden, ein ausgewogenes Verhältnis wäre wünschenswert. Warum müssen wir erst mühsam anhand des online zur Verfügung gestellten Materials selbst nachzählen? Das Dataset S1 ist nicht chronologisch aufgelistet, wie es sinnvoll wäre, sondern alphabetisch, so dass ich erst einmal in dieser Beziehung aufgeräumt habe. Die folgende, so aus dem Material generierte Tabelle zeigt auf, dass die in Dataset S1 vermerkten Individuen-Anzahlen (n-DS1, Spalte links) in Teilen nicht mit den Zahlen im Text der Studie (n-angeb, Spalte links) übereinstimmen.

Gräberfeld
(Jahr v.u.Z.)
Männer

Männer
(unsicher)

Frauen

Frauen
(unsicher)

Kinder Unbestimmt
Vedrovice (5450)
n-DS1=78
(n-angeb=64)

19

7

30

2

18

2

9A

1AA

1A

2A

1AA

Aiterhofen (5300)
n-DS1=63
(n-angeb=64)

26

9

20

4

2

2

11A

2A

2A

2A

1A

Ensisheim (5200)
n-DS1=34
(n-angeb=34)

15

10

2

6

1

6A

2AA

Souffelweyersheim (5200)
n-DS1=18
(n-angeb=18)

6

3

3

6

2A

1A

Kleinhadersdorf (5200)
n-DS1=33
(n-angeb=34)

11

9

8

5

6A

1A

Schwetzingen (5100)
n-DS1=101
(n-angeb=103)

34

7

48

1

11

12A

2A

Nitra (5100)
n-DS1=62
(n-angeb=62)

11

6

21

4

20

7A

1A

2A

Summen Individ.

122

32

141

12

55

27

154

153

55

27

n-DS1=389
(n-angeb=379)

307

82

Summen Äxte

53A

6AA

3A

3A

3A

5A

3A

1AA

LEGENDE:
n-DS1 = Anzahl nach Tabelle Dataset S1
n-angeb = angebliche Anzahl nach Studien-TEXT
A = 1 Axt pro Bestattung
AA = 2 Äxte pro Bestattung
Rot = nicht übereinstimmend
Grün = bemerkenswert

Die Studie wurde offenbar wieder einmal schlampig verfasst. Oder gibt es einen anderen Grund für die Diskrepanzen? Wir wissen es nicht, aber so wird es uns erschwert, die Studie nachzuvollziehen. Das Vertrauen in die Verlässlichkeit sämtlicher Zahlen ist damit auf jeden Fall beschädigt. Schon bei den Talheimer Befunden wurde nachweislich eine Frau zum Mann gemacht und ein Mann hinzuerfunden, ob dies hier auch der Fall ist, lässt sich nicht ohne Weiteres erkennen.

Das Geschlechterverhältnis ist bei jeden Ort unausgewogen. Vielleicht glauben die Macher der Studie, auf diese Weise das Ergebnis für die weiblichen Individuen überzeugender, repräsentativer zu gestalten. Nach welchem Kriterium aber die Männer ausgewählt wurden, außer dem der Untersuchbarkeit natürlich, ist unbekannt.
Interessant ist, dass im Text der Studie explizit nicht mitgeteilt wurde, dass auch Frauen und Kinder mit Äxten bestattet wurden. Dies erweckt beim Leser natürlich den Eindruck, als handele es sich bei den Äxten um Herrschaftssymbole.

Wie immer bei Untersuchungen an sehr alten Knochen gibt es auch hier eine Fehlerquote. Wir können uns nach den strengen Regeln der Anthropologie nur mit 75-95%iger Sicherheit darauf verlassen, dass die Geschlechter der als sicher geltenden Befunde wahrheitsgemäß bestimmt wurden. Es fehlen zudem jegliche Nachweise von Verwandtschaftsverhältnissen. Sogar die Methode der Strontium-Isotopen-Bestimmung ist keine fehlerfreie Methode. Für die Zuverlässigkeit des Messergebnisses ist entscheidend, dass das untersuchte Individuum nicht regelmäßig ortsfremde Nahrung zu sich genommen hat  (siehe dazu A.u.M., S.165 FN 31).

Wie dem auch sei, zwei von sieben untersuchten Gräberfeldern, nämlich Aiterhofen und Ensisheim, die nicht zu den jüngsten Gräberfeldern zählen, zeigen nach Aussage der Forscher eine signifikante Abweichung von ihrer Patriarchatsthese, was sie jedoch nicht weiter kümmert. Meine Leserin fasst ihre Beobachtungen treffend zusammen: „Nur ganz wenige Frauen sind für die statistisch signifikante Abweichung verantwortlich. Das ist nicht das Muster, dass ich bei patrilokalen Heiratsregeln erwarten würde.

Selbst wenn die Fehlerfaktoren Technik, Alter und Mensch ausgeschlossen werden können, bestätigt die Studie letztlich nur das, was die Patriarchatsforschung schon länger weiß, nämlich dass mit dem Patriarchat der Untergang der Bandkeramik eingeleitet wurde. Wenn auch gerade die ältesten Befunde der Studie aus Vedrovice 5450 v.u.Z. angeblich besonders signifikant sind, spricht das nicht dagegen. Vedrovice liegt im Osten des LBK-Gebietes, von wo sich die Kultur verbreitet hat, nachdem sie voll ausgebildet war, hat also ihrerseits schon eine längere Entwicklung hinter sich. Der Befund könnte ein Licht auf die schnelle Ausbreitung der LBK nach Westen werfen, die der herrschenden Lehre immer noch unerklärlich erscheint. Ich vertrete in „Archäologie und Macht“ die Ansicht, dass die schnelle Ausbreitung der LBK auch von den Mesolithikern mitgetragen wurde, die ebenfalls matrifokal, aber nicht sesshaft lebten, und sich den LBK-Leuten anschlossen. Ich möchte nicht ausschließen, dass der Grund, dass sich die LBK-Leute überhaupt auf den Weg machten, darin lag, dass sie sich der Patriarchalisierung entziehen wollten. Aber aufgrund der unsauber gemachten Studie lassen sich keine sicheren Aussagen diesbezüglich treffen.

Zu guter Letzt ist anzumerken, dass auch in matrilokalen Gruppen die Männer an ihrem Geburtsort leben und ihr Heim nur verlassen, wenn sie eine geliebte Frau besuchen. Der Befund sagt aus, dass die einheimischen Männer typischerweise Äxte ins Grab bekamen und die nicht einheimischen Männer nicht, doch auch davon gibt es Ausnahmen. Die ortsfremden Männer waren offenbar nicht der Sippe zugehörig und waren vielleicht exogame Liebhaber, was die hohe Zahl der ortfremden Männer erklären kann. Das könnte wiederum bedeuten, dass „exogam tätige“ Männer eher nicht an der täglichen Arbeit in der Sippe ihrer Liebhaberin teilnahmen und ohne Werkzeug (bzw. Waffe) das fremde Sippengebiet betreten mussten. Es bestand dabei offenbar eine fifty-fifty-Chance am Wohnort der Geliebten zu sterben. Weiter könnten unter den untersuchten Skeletten viele Mesolithiker sein, was die fremden Strontium-Isotopen leicht erklären würde. In irgendeiner Weise müsste sich auch in den Gräberfeldern niederschlagen, dass schon zur Zeit der LBK fahrende Händlerinnen und Händler sich weit von ihrer Heimat entfernten und nicht zurückkehrten. Dass die ortsfremden Frauen zum Zwecke der patriarchalen Ehe an den Ort gezogen sind, ist nicht beweisbar. Nachdem matrifokalen Modell bandkeramischer Ausbreitung, wie ich es in „Archäologie und Macht“ beschrieben habe, waren Frauen mit ihren Sippen unterwegs auf der Suche nach neuen Siedlungsplätzen.

Die Studie beweist weder Patrilokalität, noch, dass die Felder den Männern gehörten, noch dass die Auswärtigen unterdrückt wurden. Letztlich wissen wir nicht, welche kostbaren Gegenstände aus den Gräbern längst verrottet sind, z.B. Stoffe oder hölzerne Objekte, die mindestens genauso wertvoll erachtet worden sein können wie die Äxte. Von einer stark hierarchischen Gesellschaft kann also keine Rede sein, und es ist auffällig, dass sich die Forscher nicht wundern, dass sich in den Bauwerken keine Hierarchie bemerkbar macht, dies auch noch lange nach der LBK, wie in „Archäologie und Macht“ erläutert.

Literatur:

Bentley, R. Alexander; Bickle, Penny; Fibigerc, Linda; Nowell, Geoff M.; Dale, Christopher W.; Hedges, Robert E. M.; Hamilton, Julie; Wahl, Joachim; Francken, Michael; Grupe, Gisela; Lenneish, Eva; Teschler-Nicola, Maria; Arbogast, Rose-Marie; Hofmann, Daniela; Whittle, Alasdair: Community differentiation and kinship among Europe’s first farmers. In: PNAS 12.06.2012. Vol. 109 No. 24, S. 9326–9330 http://www.pnas.org/content/109/24/9326.full

Peter-Röcher, Heidi: Kannibalismus in der prähistorischen Forschung. Berlin/Bonn 1994 (dort bes. S. 103)

Uhlmann, Gabriele: Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte. Norderstedt 2012 http://www.amazon.de/dp/3844814205

Wieselberg, Lukas: Die Ungleichheit ist älter als gedacht. Online-Dokument vom 29.05.2012. http://science.orf.at/stories/1699108/

Wunn, Ina: Götter, Mütter, Ahnenkult. Neolithische Religionen in Anatolien, Griechenland und Deutschland. Dissertation an der Gemeinsamen Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Hannover. 1999 (dort bes. S. 228)
http://d-nb.info/958530386/34