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Testumgebung http://test.catal.de catal.de Fri, 22 Jun 2018 14:47:05 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.5.3 Der „Hirschmensch“ aus der Höhle Trois-Frères – was sehen wir da wirklich? http://test.catal.de/der-hirschmensch-aus-der-hoehle-trois-freres-was-sehen-wir-da-wirklich Fri, 22 Jun 2018 14:47:05 +0000 http://gabriele-uhlmann.de/wordpress/?p=412
Pintura Trois Freres
Foto: Clottes via Wikimedia Commons

Eine der bekanntesten Höhlenzeichnungen der Welt wird gemeinhin als „Hirschmensch“ bezeichnet. Gefunden wurde sie in der Grotte des Trois-Frères in Südfrankreich. Immer wieder wird mit dieser Zeichnung versucht zu belegen, dass männliches Schamanentum seit der Altsteinzeit die Regel sei und bereits männliche Götter angebetet wurden. Es soll sich demnach um einen Gott der Tiere, um einen „gehörnten Gott“ (frz. dieu cornu), Zauberer oder einen tanzenden, männlichen Schamanen handeln. Auch als „matrifokaler Vater“ musste er schon herhalten.

Wir wissen dagegen inzwischen, dass die altsteinzeitlichen Höhlen die Heiligtumer einer Erdmutter bzw. Metaphern auf die Gebärmutter der Urmutter waren und überwiegend von Frauen ausgemalt wurden. Der spektakuläre Fund eines Frauengrabes in der Hilazon Tachtit-Höhle in Israel belegt, dass auch die Schamanen weiblich waren. Dafür sprechen auch die vielen Frauendarstellungen als Zeichnung, Plastik oder Relief, die ohne männliche Entsprechung in den Höhlen gefunden wurden.

Es stellt sich also die Frage, ob es sich bei dieser Erkenntnis doch um Wunschdenken handelt oder etwas mit der Deutung der Höhlenzeichnung nicht stimmt. Schauen wir uns dazu Original und Abzeichnung genauer an:

1. Aus welcher Perspektive die Figur richtig abgebildet ist, die richtige Drehung der Figur an der Höhlendecke, lässt sich nur schwer nachvollziehen: Die berühmte, älteste Abzeichnung, die immer wieder in Sach- und Fachbüchern gezeigt wird, stellt die Figur als gebückt laufenden Menschen dar (Bild oben). Das Originalfoto wird mal mehr, mal weniger aufrecht gezeigt. In der Enzyclopedia Britannica online ist sie sogar so gedreht, dass sie wie ein sitzender Mann mit nach unten hängendem Penis aussieht. Auf der offiziellen Website des Fördervereins Louis Bégouën e.V. ist die Figur noch stärker „gebückt“ als in der Abzeichnung, so dass sie liegend und als von oben betrachtet wirkt. Diese Version halte ich für die korrekte, bis ich eines Besseren belehrt werde.
Zudem ist der „Röntgenstil“, den die Abzeichnung darstellt, im Original gar nicht vorhanden. Schwer als solche erkennbar sind auch das Gehörn und die „Arme“.

Die Original-Zeichnung vor Ort:
Originalzeichnung in situ
Bildquelle: http://media-2.web.britannica.com/eb-media/63/4763-004-824529EB.jpg

2. Sollte es sich bei der Struktur über dem Körper um ein Geweih handeln, stellt sich die Frage, welches Tier hier gemeint war. Die Zeichnung stammt aus dem Endstadium der letzten Eiszeit, ca. 12.700 v.u.Z.. Die Epoche wird als Magdalénien bezeichnet. Die vorherrschenden Hirscharten waren das Rentier und der Riesenhirsch. Das Geweih des Riesenhirschen ist so groß, dass es nicht als Kostüm tragbar wäre, zudem hat es Schaufeln (siehe unten). Es kommt hier also nur ein Rentier infrage.

Megaloceros giganteus antler
Vergleich Geweih des Riesenhirschen (An- und Draufsicht) mit dem Rothirschen (Draufsicht). Foto: Matthias Kabel via Wikimedia Commons

Das Rentier ist die einzige Hirschart, bei der auch die Weibchen ein Gehörn tragen. Es ist nicht ganz so groß, wie bei den Männchen, aber ebenso verzweigt. Wir können also nicht leichtfertig vom Geweih auf einen männlichen Hirschen schließen.

Svalbardrein pho
Männliches Rentier (Spitzbergen). Foto: I Perhols via Wikimedia Commons

3. Stellt die Struktur am Oberkörper wirklich Arme dar? Wenn nicht, könnte es sich um Brüste handeln, dargestellt wie auf den altsteinzeitlichen Tafeln von Gönnersdorf (Bild unten).
Gönnersdorf Schieferplatten-Venusdarstellungen
Schiefertafel aus Gönnersdorf. Foto: Regina Hecht

4. Am Hinterteil des „Hirschmenschen“ ragt ein Objekt hervor, das in welcher Drehung auch immer stets als menschlicher Penis mit Hoden gedeutet wird. Vor Ort ist die Zeichnung jedoch wesentlich undeutlicher. Wir können nur feststellen, dass dort etwas herausragt. Bei einem Menschen wäre der Penis jedoch vorne, und auch beim Rentier, wie im Bild oben zu sehen, ist der Penis auf der hinteren Unterseite angeordnet. Die Zeichnung müsste dann wie im Bild unten aussehen, wäre dann aber immer noch kein Mensch, denn beim Mann wäre das Geschlechtsteil aus dieser Perspektive zwischen den Beinen unsichtbar. Auch in Anbetracht der erstaunlichen Detailtreue und Naturnähe altsteinzeitlicher Tierdarstellungen wird es sich wohl kaum um einen Zeichenfehler handeln. Auffällig ist besonders auch, dass dieser „Penis“ nicht erigiert dargestellt ist, wie es in der Urgeschichte seiner Darstellung die Regel ist, und die zudem Zehntausende Jahre später als die Darstellung des Weiblichen beginnt.

hirschmensch3
Objekt vom Hinterteil mal hier – mal da (meine Montage)

Was also ist das Objekt am Hinterteil? Ein Video einer Rentiergeburt aus einem Zoo könnte die Lösung für das Rätsel liefern:

https://youtu.be/2umiwDT3M4o

Video veröffentlicht von Reinhold Krossa am 01.05.2010 auf youtube.de

Jetzt wird auch klar, warum die Figur so gekrümmt ist und nach hinten blickt. Im Lichte der Patriarchatsforschung betrachtet ist der „Hirschmensch“ also kein Mann und kein Gott, sondern es handelt sich um die Darstellung einer gebärenden Frau oder einer Rentier-Geburt. Wie auch immer, die Darstellung passt nahtlos in die Uterus-Metapher der Höhle. Das androzentrische Dogma, mit dem überall das Männliche geortet wird, hatte den Blick verstellt. Patriarchale „Wissenschaft“ sieht nur, was sie sehen will. Auch der Name der Höhle, die übersetzt „Drei-Brüder-Höhle“ heißt, benannt nach den drei Entdeckern, betont die männliche Deutungshoheit.

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Zum Artikel „Das Weltbild der Hethiter“ von Susanne Görke im „Spektrum der Wissenschaft“, Heft 8/2015 http://test.catal.de/zum-artikel-das-weltbild-der-hethiter-von-susanne-goerke-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-82015 http://test.catal.de/zum-artikel-das-weltbild-der-hethiter-von-susanne-goerke-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-82015#respond Fri, 14 Oct 2016 14:10:00 +0000 https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/?p=872 (Leserbrief)

Als äußerst irritierend empfinde ich den Artikel der Autorin Susanne Görke, die entscheidende Hinweise unterschlägt, womit das Weltbild der Hethiter verzerrt, ja beinahe begrüßenswert fortschrittlich und tolerant dargestellt wird, ein Umstand, den die Autorin doch sicherlich nicht beabsichtigt hatte, bemerkt sie doch, dass die Hethiter Eroberer waren. Das bedeutet konkret: Krieg und Unterdrückung der Hattier, der nicht indoeuropäischen und nicht semitischen Urbevölkerung Anatoliens. Schmerzlich fehlt ihre Erwähnung. Bereits vor hethitischer Zeit wurde ihre Kultur von den Assyrern überformt, und diese waren es, die den Wettergott zuerst nach Anatolien mitbrachten. Die ersten hattischen, frühpatriarchalen Königreiche integrierten ihn, jedoch war er der hattischen Sonnengöttin nachgestellt. Sie hieß sicherlich einst namenlos, „Sonne“, mit den Assyrern erhielt sie jedoch den an die mesopotamische Ishtar erinnernden Namen Ishtanu. Als „Sonne“ war sie ursprünglich alleinregierende Große Göttin wie Inanna in Sumer und integrierte das Oben und das Unten in ihrer einen Gestalt. Als „Sonnengöttin von Arinna“ (Arinna bedeutet „Brunnen“) war sie wie unsere Holda/Frau Holle ursprünglich Wettermacherin und wurde auf Bergen verehrt. Noch ihre hethitische Ausformung Eshtan war nach HAAS (1994, 133) in frühhethitischer Zeit „Sonnengöttin des Himmels“ und als Nachtsonne Unterweltsgöttin. Die indoeuropäischen Hethiter brachten jedoch eine typische Steppenreligion mit, zu der kein Wettergott gehörte, sondern eine Triade aus Sonnengott, Kriegsgott und Muttergöttin. Eigenartig, dass die Autorin dies nicht berücksichtigt, stattdessen den Wettergott als hethitischen Import darstellt. Wie KLINGER (1996, 141 ff.) bereits festgestellt hat, ist der hethitische Sonnengott stets blass geblieben. Die Unterscheidung einer Sonnengöttin als Unterweltsgötttin und eines Sonnengottes des Himmels, wie es HAAS/KOCH (2011, 223) später postulieren, ist nicht haltbar, weil ein starker, männlicher Sonnengott dem Wettergott Konkurrenz gemacht hätte. Denn dieser Wettergott wurde von der Priesterschaft immer weiter aufgebläht, seine Alleinherrschaft wurde angestrebt, wie in allen patriarchalen Religionen. Entsprechend war der Sonnengott des Himmels, wie SCHWEMER (2006, 252) es nachweisen konnte, niemand anderes als der vergöttlichte Herrscher, ein lebendiger Mensch.

Zudem irritiert mich, dass die Autorin eine assyrische Quelle als Belege für ihre These anführt, in der sie Inanna und Ishtar als ebenso arbeitsteilige Göttinnen darstellt. Die sumerische Inanna war zu assyrischer Zeit ein Anachronismus und wurde schon bei den Akkadern von Ishtar abgelöst, wenngleich ihr Name mit der Gelehrten- und Priestersprache Sumerisch tradiert wurde. Längst war Ereshkigal die Göttin der Unterwelt. Inannas Gang in die Unterwelt, wo sie Ereshkigal aufsuchte, war nichts anderes als der Versuch, die Spaltung in Oben und Unten rückgängig zu machen, eine antipatriarchale Revolte. Dass der hethitische Wettergott nun in der Lage war, bequem zwischen den Welten zu wechseln, war Propaganda seiner Priester, die erreichen wollten, dass seine Macht die der Sonnengöttin noch übertraf. Mit der Trennung von Oben und Unten ist einerseits die alte Ordnung der integralen Großen Göttin zerstört, andererseits hat der Wettergott nun auch die Macht diese jederzeit zu restaurieren, da er ja „freie Fahrt“ hat. Dazu passt, dass in der Spätzeit die Sonnengöttin zur Gattin des Wettergottes erklärt wurde, eine deutliche Unterordnung und nicht eine Gleichstellung, wie es die Autorin behauptet.

Leider hat die Autorin auch nicht den Kampf Ullikummis verstanden, wenngleich sie ihn für „aufschlussreich“ hält. Das Steinungeheuer Ullikummi ist das Kind des „großen Felsen“, eine alte Berggöttin, deren Namen die Priester unterschlugen. Sie gebar ihr Kind im See Ikunta luli, wie auch die Felsriesin Washitta einen steinernen Dämonen gebar. Die Priester des Wettergottes mussten natürlich auch die Erinnerung an die noch älteren Berggöttinnen auslöschen, die ursprünglich Wettermacherinnen waren. Sie degradierten sie zu „Felsen“, die dämonische Ungeheuer gebaren. Im späthethitischen Felsheiligtum von Yasılıkaya ist der Wettergott als Herr über die (nun auch männlichen) Berggötter dargestellt, auf ihren Nacken stehend, die Berggöttinnen sind keiner Erwähnung mehr wert (Bild unten). Er und seine schwer bewaffneten Schergen stehen auf der „aufblähten“ Seite der eigentlich rechteckig zu erwartenden Kartusche, dort gegenüber der Sonnengöttin auf der anderen Seite, bereit ihr unter Androhung der Keule das Zepter aus der Hand zu nehmen. Es ist das Zepter der Gebärmacht.

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In der Tat ist es bedauerlich, dass die Religion der Hethiter bisher weitgehend unbekannt blieb, ist sie doch eine wichtige Etappe auf dem Weg zu einem monotheistischen, gebärenden Gottvater, dem Endsieg des Patriarchats. Auch der Götterkönig Kumarbi, dessen überaus empörende Story uns die Autorin vorenthält, sollte zum Allgemeinwissen über die Hethiter gehören: „Kumarbi scheint auf dem Berge Kanzura zwar den Aranzah, das ist der Tigris, ausgespien zu haben, der Gott des Gewitters aber ist in seinen Bauche geblieben. Dem äußerst bruchstückhaften Kontext ist noch so viel zu entnehmen, dass ein Gespräch zwischen Anu und Teššub stattfindet: Anu spricht über die zukünftige Macht und Größe des Teššub und berät ihn, aus welchem Körperteil des Kumarbi er am Ende der Schwangerschaft herauskommen soll. Während Anu hier eindeutig der Vater des Teššub ist, erfüllt offensichtlich Kumarbi die Rolle der Mutter – er trägt den Gott aus und gebiert ihn. Deshalb heißt es denn auch in einer hurritischen Anrufung an Teššub von Halpa: ‚Du bist stark und im Zustand der Größe. Dein Vater Anu hat dich erzeugt … Deine Mutter Kumarbi hat dich (auf die Welt) kommen gemacht.“ (HAAS 1982, 133) Kumarbi stürzte damit den Himmelsgott Anu und wurde schwanger, indem er dessen Penis fraß. Was der hethitische Wettergott Teššub aufgrund des Zusammenbruchs des Reiches nicht vollenden konnte, erledigten die Mythografen des Alten Testaments. Aus Sicht der Gender Studies, die erreicht haben, dass die Mütter wegrationalisiert werden, ließt es sich durchaus als fortschrittlich.

Anmerkungen:
Der Spektrum-Artikel online: http://www.spektrum.de/magazin/das-weltbild-der-hethiter-1000-goetter-und-mehr/1351075 . Dort lesen Sie auch die Antwort der Autorin auf meinen Leserbrief.
Seit Herbst 2015 ist mein Buch „Der Gott im 9. Monat“ im Handel, für das ich mich mit der Thematik bereits dezidiert auseinandergesetzt hatte.

Literatur:

  • Haas, Volkert: Hethitische Berggötter und hurritische Steindämonen: Riten, Kulte und Mythen. Eine Einführung in die altkleinasiatischen religiösen Vorstellungen. Mainz 1982
  • Haas, Volkert: Handbuch der Orientalistik: The Near and Middle East. Der Nahe und Mittlere Osten. Geschichte der hethitischen Religion. Leiden 1994
  • Haas, Volkert; Koch, Heidemarie: Religionen des Alten Orients: Hethiter und Iran. Göttingen 2011
  • Klinger, Jörg: Untersuchungen zur Rekonstruktion der hattischen Kultschicht. In: Studien zu den Boğazköy-Texten. Herausgegeben von der Kommission für den Alten Orient der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Heft 37. Wiesbaden 1996
  • Schwemer, Daniel: – Das hethitische Reichspantheon. In: Reinhard G. Kratz et al.: Götterbilder, Gottesbilder, Weltbilder: Ägypten, Mesopotamien, Persien, Kleinasien, Syrien, Palästina. Bd. 1. Tübingen 2006. S. 241-265

 

 

 

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http://test.catal.de/zum-artikel-das-weltbild-der-hethiter-von-susanne-goerke-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-82015/feed 0
Zum Artikel „Frieden stiftende Ahnen“ von Marion Benz im Spektrum der Wissenschaft, Heft März 2016 http://test.catal.de/zum-artikel-frieden-stiftende-ahnen-von-marion-benz-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-maerz-2016 http://test.catal.de/zum-artikel-frieden-stiftende-ahnen-von-marion-benz-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-maerz-2016#respond Fri, 14 Oct 2016 13:41:25 +0000 https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/?p=861 (Leserbrief)

Ich beziehe mich insbesondere auf folgenden Absatz von Seite 60: „Fast alle untersuchten Personen wuchsen in Basta und der nächsten Umgebung auf. Hans Georg K. Gebel ist davon überzeugt, dass großfamiliäre Strukturen die Kommunen in der Anfangsphase sozial und wirtschaftlich stabilisieren konnten, was sich auch im Schädelkult, in der Verehrung gemeinsamer Ahnen ausdrückte. „Wenn viele Mitglieder der Gemeinschaft miteinander verwandt sind, reduziert das Konfliktpotenziale. Außerdem steht man füreinander eher ein, als um Ressourcen zu konkurrieren“, meint Gebel. Allerdings folgten nicht alle Megasites diesem Muster. In Kfar HaHoresh (…), das vermutlich der Bestattungsplatz eines solchen Großdorfs war, heirateten etliche Frauen wohl Männer von außerhalb der Siedlung. Isolierte Schädelbestattungen fanden sich jedoch auch dort. Es gab folglich Konventionen, die jeder kannte und die das sesshafte Leben in Ballungsräumen regelten.

Die These von den friedenstiftenden Ahnen mag reizvoll sein. Doch schauen wir uns rezente Kulturen an, in den Ahnen verehrt werden, fällt auf, dass Ahnenverehrung kein Garant für Frieden ist. Manche dieser Kulturen sind sogar ausgesprochen kriegerisch. Das friedliche Zusammenleben wurde offensichtlich von einem anderen Faktor bestimmt und von einem katastrophalen Ereignis beendet. Die Wissenschaftler sollten sich lieber fragen, was davor anders war und was dann passiert ist. Es fällt doch nun wirklich ins Auge, dass die friedlichen Kulturen der Jungsteinzeit ein grundsätzlich anderes Sozialgefüge besaßen, als wir es heute gewöhnt sind. DAS ist die gesuchte „Konvention“. Das Ereignis, das sie änderte, war die Patriarchalisierung. In Kfar HaHoresh haben wir es noch mit einer matrilinearen Kultur zu tun. Wo kein Vater ist, ist keine Patrilinearität und folglich auch kein Patriarchat. Die Frauen hatten Liebhaber in anderen Siedlungen, die sie eben nicht heirateten, wie Frau Benz behauptet, denn dann wären ja die Väter der Kinder in den Gräbern gefunden worden. Es handelt sich demnach auch nicht um Familien, sondern um Sippen, ein soziologischer Begriff, der von der Archäologie konsequent ignoriert wird. Die Bewohner der Siedlung Basta scheinen isoliert gelebt zu haben, dennoch können wir auch hier nicht von Familien sprechen. In matrilinearen Sippen halten sich nur über die Mütter blutsverwandte Personen auf, womit das Konfliktpotenzial nicht nur unter Männern, sondern auch unter den Frauen minimiert ist. Besonders in isolierten Sippen kommt es vor, dass Cousins und Cousinen miteinander Kinder bekommen, weil die chemotaktische Inzestschranke ab diesem Verwandtschaftsgrad nicht mehr wirken muss. Der Menschheit hat das offensichtlich nicht geschadet. Auch in Çatal Höyük bestätigte die odontologische Untersuchung das Fehlen einer patrilinearen Sozialstruktur bzw. patriarchaler Kleinfamilien; diesen Hinweis vermisse ich im Artikel von Marion Benz. http://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html
Ich möchte auch auf die jüngst vorgestellte Ahninnenwand aus der Pfahlbaukultur am Bodensee hinweisen, die die Stabilität der Matrilinearität der Jungsteinzeit nochmals bestätigt: https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2016/01/24/die-busenwand-ein-neuer-fall-von-sexismus-in-der-archaeologie/

Die These der „Frieden stiftenden Ahnen“ lenkt von diesen Befunden geschickt ab. Die Quintessenz der Untersuchung der „Megasites der Jungsteinzeit“ ist nicht der Ahnenkult, sondern die Matrilokalität und Matrilinearität, die als „Matrifokalität“ zusammengefasst sind. Das ist im Übrigen das natürliche Sozialgefüge der Menschheit, das seit der Altsteinzeit für das Überleben in Frieden gesorgt hat. Die Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy, deren Werk vom SdW bereits empfohlen wurde, hat nichts anderes festgestellt. Ich erinnere an meinen von Ihnen freundlicherweise abgedruckten Leserbrief zum hanebüchenen Artikel „Stark als Paar“ (SdW, April 2015), in dem ich schrieb: ‚Auf S. 448 von „Mütter und andere“ in Fußnote 20 schreibt Blaffer Hrdy (2010) (…): „Ich gehörte übrigens zu denjenigen, die schon frühzeitig davon überzeugt waren, dass Menschenaffen zur Patrilokalität neigten. Ich änderte meine Meinung im Verlauf der Arbeit an ‚Mutter Natur’.“’

Ich würde mich freuen, wenn der Verlag mehr Mut beweisen würde, und seinen Leserinnen und Lesern keine kryptischen Botschaften mehr übermittelte, sondern endlich Klartext spräche.

Anmerkung:
Der Artikel von Marion Benz ist hier online: http://www.spektrum.de/magazin/im-ahnenkult-vereint-die-grossdoerfer-der-steinzeit/1398158

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http://test.catal.de/zum-artikel-frieden-stiftende-ahnen-von-marion-benz-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-maerz-2016/feed 0
Zum Artikel „Der Siegeszug des Homo sapiens“ von Curtis W. Marean im „Spektrum der Wissenschaft“, Heft Juni 2016 http://test.catal.de/zum-artikel-von-curtis-w-marean-der-siegeszug-des-homo-sapiens-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-juni-2016 http://test.catal.de/zum-artikel-von-curtis-w-marean-der-siegeszug-des-homo-sapiens-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-juni-2016#respond Fri, 14 Oct 2016 13:22:08 +0000 https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/?p=854 (Leserbrief)

Im aktuellen Heft habe ich natürlich zuerst den Artikel von Curtis W. Marean „Der Siegeszug
des Homo sapiens“ gelesen. Und wieder standen mir die Haare zu Berge. Es scheint der
Redaktion einfach der Blick für patriarchatsideologisch kontaminierte Texte zu fehlen. Dabei
ist es eigentlich ganz einfach, denn sobald in Bezug auf die Altsteinzeit Begriffe wie Ehe,
Hochzeit, Familie, Krieg, Fernwaffen, Jagdzauber, Gewalt u.ä. fallen, haben wir es damit zu
tun. Die Patriarchatsforschung, die bedauerlicherweise nicht zum Kreis der vom Spektrum
beachteten Wissenschaften gehört, weiß längst, dass es all das bis vor ca. 8000 Jahren nicht
gegeben hat. Insbesondere Sarah Blaffer Hrdy hat das auf brillante Weise nachgewiesen. Aber auch die Genetik, die Sprachwissenschaften oder die Archäologie bestätigen diesen Befund.
Das Klischee, dass der Mann in der Altsteinzeit die Frau an den Haaren hinter sich her zog
und mit Keulen auf andere Menschen losging, ist genauso veraltet, wie die Vorstellung, dass
der Mensch von Natur aus gewalttätig sei und mit Religion gebändigt werden muss. Auch
Frans de Waal betont das immer wieder. Die Angst vor der Steinzeit als menschen- und
kulturfeindliche Ära ist nicht nur unbegründet, sondern behindert den wissenschaftlichen
Fortschritt, ja schlimmer noch, sie behindert eine wünschenswerte Entwicklung weg vom
Patriarchat. Dabei können wir uns dies kaum noch leisten im Angesicht der weltweiten
Misere, die uns die Lebensweise in Patrilinearität eingebrockt hat.
Und da lese ich nun auf Seite 50, wie wieder Sarah Blaffer Hrdys These missbraucht wird,
diesmal um Mareans These zu stützen. Breit lässt sich der Autor darüber aus, wie hyperprosozial der Mensch doch sei, nur um im gleichen Atemzug zu behaupten, dass der
Mensch sich schon immer ums Essen geprügelt hätte. Der Affe im Flugzeug muss dafür
herhalten, und ich muss mich wieder fragen, ob der Autor nur den Klappentext ihres Buches
„Mütter und andere“ gelesen hat.
In seiner Logik hält er treu zu der veralteten These, dass Homo Sapiens Sapiens den
Neanderthaler gewaltsam ausgerottet habe, und ignoriert den letzten Stand der Forschung,
nämlich, dass das Neanderthaler-Genom in dem unsrigen regelrecht aufgegangen ist,
zurückzuführen auf ein demographisches Ungleichgewicht. (Schmidt, Maier, Kretschmer: „Ist
da draußen jemand?“ Archäologie in Deutschland, Heft 3, 2016, S. 32 f) Natürlich hat Marean Recht, dass unsere technologischen Errungenschaften „erbarmungslosen Krieg“ ermöglichen. Das heißt aber nicht, dass der steinzeitliche Moderne Mensch alles
machte, was machbar war, denn sonst gäbe es uns schon lange nicht mehr. Als am sog.
Flaschenhals nur noch wenige Sippen übrig waren, wurde sich nicht um Muschelbänke
gekloppt, sondern andere Sippen waren hochwillkommen, konnte mit ihnen doch der Genpool aufgefrischt werden. Auf gleiche Weise kam es auch zur Vermischung des Neanderthaler-Erbguts mit dem des Homo sapiens sapiens.
Das Patriarchat und der dazugehörige Krieg sowie Umweltzerstörung sind eine Erfindung
nomadischer Viehzüchtergesellschaften in den Steppen und Bergregionen. Da dürfen uns
auch ausgewählte, moderne Jäger und Sammler-Gesellschaften nicht täuschen, denn sie alle
sind durch Kolonisation vom Patriarchat infiziert worden. Sie führen Kriege, auch weil ihre
Welt von der Moderne auf wenige kleine Flecken eingedampft wurde. Die Haszda gehören zu den letzten Völkern, die uns Matrifokalität vorleben und damit nichts vermissen.
Marean ist sich auch nicht zu schade unsere Natur mit der der Vögel zu vergleichen. Vögel
leben in Paaren, wir natürlicherweise aber nicht. Es entsteht bei uns lediglich durch eine
zeitlich begrenzte Paarung ein neuer Mensch, aufgezogen wird er aber in der matrifokalen
Sippe. Der biologische Vater ist damit für den Sozialverband bedeutungslos, und das versucht das Patriarchat durch die Unterdrückung der female choice zu vertuschen. Die Gewalt gegen Frauen, auch der von Marean angeführte Frauenraub, sind nur vor dem Hintergrund einer patriarchalischen Gesellschaft nachvollziehbar.
Marean passt sicher gut in eine Welt, wie sie sich ein Donald Trump vorstellt. Er scheint
Waffen, die Jagd und den Kampf zu lieben, weniger die Frauen und schon gar keine Kinder.
In seiner Altsteinzeit kommen sie nicht vor. Passenderweise zeigt die Illustration einen
einsamen Mann in heldenhafter Eroberer-Pose, bewaffnet und übermächtig groß. Dies alles,
gepaart mit seinem Bedauern der schädlichen Auswirkungen menschlichen Tuns, führt ihn in eine geistige Endlosschleife aus der es kein Entrinnen gibt.

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http://test.catal.de/zum-artikel-von-curtis-w-marean-der-siegeszug-des-homo-sapiens-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-juni-2016/feed 0
Zum Artikel „Stark als Paar“ von Blake Edgar im „Spektrum der Wissenschaft“, Heft April 2015 http://test.catal.de/zum-artikel-stark-als-paar-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-april-2015 http://test.catal.de/zum-artikel-stark-als-paar-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-april-2015#respond Fri, 14 Oct 2016 13:12:30 +0000 https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/?p=849 (Leserbrief in Auszügen abgedruckt im SdW, Heft Juni 2015)

Nach dem Lesen des Artikels „Stark als Paar“ von Blake EDGAR bleibt mir nur zu hoffen, sich alle anderen Leser den zugehörigen Literaturtipp zu Herzen nehmen, und das Buch „Mütter und andere“ von Sarah BLAFFER HRDY (2010) lesen. Leider geht der Einzeiler in Ihrem Literaturtipp „Die Anthropologin erörtert die erstaunliche Sozialkompetenz von Kleinkindern“ völlig am Inhalt des Buches vorbei, so dass zu fürchten ist, dass sich nur Wenige, die sich für das arttypische, menschliche Sexual-Verhalten interessieren, davon angesprochen fühlen. Wer dieses Buch aufmerksam liest, wird feststellen, dass Edgar BLAFFER HRDYs These missbräuchlich verwendet, ihr das Wort im Munde umdreht, und vielleicht das Buch gar nicht gelesen hat, und statt dessen nur das veraltete „Mutter Natur“ kennt. Auf S. 448 von „Mütter und andere“ in Fußnote 20 schreibt BLAFFER HRDY (2010),NACH IHRER EMERITIERUNG : „Ich gehörte übrigens zu denjenigen, die schon frühzeitig davon überzeugt waren, dass Menschenaffen zur Patrilokalität neigten. Ich änderte meine Meinung im Verlauf der Arbeit an ‚Mutter Natur’.“ Leider kam diese Erkenntnis etwas spät, so dass „Mutter Natur“ eher verwirrte als aufklärte.
BLAFFER HRDYs geht nun auf der Basis der Großmutterhypothese (Kristen HAWKES,
1998) und der Tatsache der female choice (Meredith SMALL, 1995) sowie ihrer eigenen Forschung von der Matrilinearität der Menschheit als einzig natürlicher Lebensweise aus, und betont, dass die Errichtung des Patriarchats dazu führte, dass die alten matrifokalen Sippen gegen die patrilokale Familie ersetzt wurden: „Ungeachtet dogmatischer Verlautbarungen, wonach Menschen für gewöhnlich ‚eine patrilokale Familienstruktur besitzen’, weil ‚Söhne in traditionellen Gesellschaften in der Nähe ihrer Familien bleiben, während Töchter fortziehen’, wird diese grundlegende Aussage über die menschliche Natur nicht von Daten über Menschen gestützt, die tatsächlich als Jäger-Sammler leben.“ (2010 S. 336) Die PATRIARCHATSFORSCHUNG weiß dies schon länger, auch die herrschende Lehre der Archäologie muss sich zunehmend mit dieser Wahrheit auseinander setzen, leider ebenso ungerne wie Blake EDGAR. Die Monogamie, hergestellt durch das theologisch vorgeschriebene Ritual der Ehe, ist eine Einrichtung des Patriarchats, die nur ein Ziel hat,nämlich die female choice zu unterdrücken. Nur durch Patrilokalität kann der Mann Monogamie herstellen, denn nur in seinem Hause können er, seine Eltern und Brüder „seine“ Frau kontrollieren. Nur so kann Patrilinearität gesichert werden, die Basis für den Kapitalismus. Wäre dies schon vor zwei Millionen Jahren der Fall gewesen, wäre die Menschheit längst ausgestorben. Denn das Patriarchat erzeugt nicht nur die folgenreiche Überbevölkerung, sondern züchtet eine aggressive und psychisch gestörte Population heran.
(Der Begriff „Kapital“ meint ursprünglich die Zahl der Tiere einer nomadischen
Viehzüchtergesellschaft. In den Steppen Eurasiens haben wir es entsprechend mit den ersten Patriarchaten zu tun.)
Matrilinearität ist die dem Menschen zuerst einsichtige religio (Rückbindung), daher haben wir in der Altsteinzeit nur weibliche Darstellungen, eine Urmutter, die in der Nähe von Höhlen und Gewässern, den Orten, die für Geburt, Tod und Wiedergeburt, deponiert wurden.
Diese erste Religion, deren Ende in Europa erst vor ca. 7000 Jahren eingeleitet wurde, war matrifokal. Um Patrilokalität (zur Unterdrückung der female choice) durchsetzen zu können, muss zuerst ein Bewusstsein von Patrilinearität vorhanden sein. Die Keilschrift- und Hieroglyphentexte und anderen Heiligen Schriften sind Manifeste dieses äußerst mühsamen Prozesses. Die endlosen Listen „wer wen zeugte“ dienen beispielsweise diesem Zweck. Die Schriften sind voll von Beweisen, dass Männer von Anfang an mit ihrem neuen Wissen nicht verantwortungsvoll umgehen konnten. Und so ist es kein Wunder, dass EDGAR 2014 mit „Our Secret Evolutionary Weapon: Monogamy“ titelte. Nur hat die Monogamie des Menschen eben nichts mit Evolution zu tun, denn Monogamie ist die Waffe des gebärneidischen Mannes gegen die Frau und damit letztlich gegen sich selbst. In einer Art Stockholm-Syndrom verhaftet kann es passieren, dass Menschen glauben, dass „Monogamie unserer Spezies gut tat“, wie EDGAR sich in Ihrer Zeitschrift zu behaupten trauen darf.
Wenn EDGAR dies behauptet, dann muss er auch behaupten, dass es evolutionär von Vorteil sei, die Schwiegereltern zu versorgen. Tatsächlich ist die Familie bzw. Kleinfamilie, die in jeder Generation das Rad neu erfinden muss, eine Mangelgemeinschaft, die mit der Aufzucht schon eines Kindes überfordert ist. Es gibt daher heute keine echte Solidarität zwischen den Generationen, es sei denn, sie wird per Gesetz verordnet. Nicht Versorgung aller Mitglieder steht im Vordergrund der Familie, sondern jeder Einzelne ist einem unnatürlichen Leistungszwang ausgesetzt, der letztlich Vater Staat und seinen Protagonisten dient.
So muss ich also nicht im Einzelnen auf die völlig überholen Thesen der im Artikel genannten „Koryphäen“ eingehen, sondern möchte meinerseits dem Autor und der Redaktion des SPEKTRUM Literaturtipps geben, nämlich 1. endlich das Buch „Mütter und andere“ aufmerksam bis zur letzten Fußnote durchzulesen, 2. „Die Erfindung der Götter“ von Gerhard Bott (2009, auch Teil II 2014), 3. mein eigenes Buch „Archäologie und Macht“ (Gabriele Uhlmann 2012). Letzteres führt sie zu weiteren Büchern der PATRIARCHATSFORSCHUNG, die systembedingt nur als Citizen Science betrieben werden kann, und sowohl von den Medien als auch den Gender Studies aller beteiligten Fachbereiche ignoriert wird.
Es wäre schön, wenn Sie sich auch an einen Artikel erinnern würden, der in Ihrer Zeitschrift abgedruckt war, und der die Großmutterhypothese stützt:
http://www.spektrum.de/alias/soziobiologie/warum-gibt-es-grossmuetter/829410
Bitte beachten Sie auch den SPIEGEL-Artikel „Multikulti in der Steinzeit“ (Heft 6, 2015)
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-131578982.html Hier lesen wir nämlich, dass aktuelle Untersuchungen der „Arbeitsgruppe Paläogenetik“ unter Leitung des Anthropologen Kurt ALT (Universität Mainz) bestätigen, dass es „Tanten, Onkel und Schwestern“ waren, die die Bandkeramik verbreiteten. Diese Feststellung, die heutzutage auch als „gender-politisch korrekt geschrieben“ überlesen werden kann, muss wörtlich genommen werden, wie mir Prof. Dr. Alt in privater Korrespondenz mitteilte. Dies meint, dass nicht biologische Väter, sondern soziale Väter, nämlich die Brüder der Großmütter, in die weite Welt zogen, und natürlich auch als Brüder der Mütter an der Kinderfürsorge beteiligt waren.
Weitere Ergebnisse in diesem Sinne aus dem Fruchtbaren Halbmond des Nahen Ostens
werden folgen. Für Çatal Höyük lesen sie bitte hier: Pilloud, Marin A.; Larsen, Clark Spencer:
„Official“ and „practical“ kin: Inferring social and community structure from dental phenotype at Neolithic Çatalhöyük, Turkey. In: American Journal of Physical Anthropology(Impact Factor: 2.48). 05/2011; 145(4):519-30. Eine Zusammenfassung davon finden Sie hier http://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html
Des weiteren bitte ich die Redaktion von der Veröffentlichung solcher hanebüchen veralteter, patriarchatsideologisch gefärbter Artikel künftig abzusehen, mit denen die Glaubwürdigkeit des SPEKTRUM zunehmend gefährdet wird.

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http://test.catal.de/zum-artikel-stark-als-paar-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-april-2015/feed 0
Offener Brief zur Studie „Kindeswohl und Umgangsrecht“ und Wechselmodell an die SPD Fraktion http://test.catal.de/offener-brief-zur-studie-kindeswohl-und-umgangsrecht-und-wechselmodell-an-die-spd-fraktion http://test.catal.de/offener-brief-zur-studie-kindeswohl-und-umgangsrecht-und-wechselmodell-an-die-spd-fraktion#respond Tue, 26 Jul 2016 10:02:21 +0000 https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2016/07/26/offener-brief-zur-studie-kindeswohl-und-umgangsrecht-und-wechselmodell-an-die-spd-fraktion/ http://test.catal.de/offener-brief-zur-studie-kindeswohl-und-umgangsrecht-und-wechselmodell-an-die-spd-fraktion/feed 0 Mr. Sam Nang’s Elephant Project http://test.catal.de/mr-sam-nangs-elephant-project http://test.catal.de/mr-sam-nangs-elephant-project#respond Mon, 09 May 2016 15:00:44 +0000 https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2016/05/09/mr-sam-nangs-elephant-project/ Dieser Reisebericht hat mich sehr berührt. Unter dem Aberglauben Kambodschas haben die Elefanten extrem zu leiden. Typisch für das Patriarchat dreht sich alles um die Fruchtbarkeit. Dabei wird die weibliche Sexualität unterdrückt, ob es nun die einer Elefantin ist oder die einer Frau.

Anmerkung: Der Link zu diesem Artikel hat sich geändert. Klicken Sie hier, um weiterzulesen.

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http://test.catal.de/mr-sam-nangs-elephant-project/feed 0
Monogamie als evolutionäre Antwort auf Geschlechtskrankheiten? http://test.catal.de/monogamie-als-evolutionaere-antwort-auf-geschlechtskrankheiten http://test.catal.de/monogamie-als-evolutionaere-antwort-auf-geschlechtskrankheiten#respond Sun, 17 Apr 2016 10:40:11 +0000 https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/?p=697 Gerade titeln weltweit viele Zeitungen und Zeitschriften mit der Sensationsmeldung, dass nun endlich klar wäre, warum wir in Monogamie leben. Die Geschlechtskrankheiten seien die Ursache:

„Darum leben die meisten Menschen monogam“ (welt.de)
„Computersimulation: Warum wir monogam leben“ (spiegel-online.de)
„Ohne Kondom zur Monogamie: Warum leben wir in Paaren?“ (spektrum.de)

Alle Artikel beziehen sich auf die Studie „Disease dynamics and costly punishment can foster socially imposed monogamy“ der kanadisch/amerikanischen Forscher Chris T. Bauch und Richard McElreath, die am 12. April 2016 in NATURE COMMUNICATIONS veröffentlicht wurde.

Wie leichtgläubig doch jede noch so schlecht gemachte Studie sofort begierig aufgesaugt wird, wenn sie nur die Monogamie, also das uns allen auferlegte Patriarchat, als natürlich bestätigt! Es ist in der Tat kein Einzelfall. Zum wiederholten Male verbreitet insbesondere das SPEKTRUM einen solchen Artikel, der versucht, die Monogamie des Menschen als evolutionär sinnvoll hinzustellen. Ich erinnere an den Artikel Stark als Paar von Blake Edgar. Damals konnte das SPEKTRUM gar nicht anders, als meinen Leserbrief in der Printausgabe Juni/2015 abzudrucken, denn der Autor zitierte die Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy in missbräuchlicher Weise. Ich habe die Redaktion natürlich auch auf den patriarchatsideologischen Antrieb solcher Artikel hingewiesen. Jedoch statt aus diesem Desaster zu lernen, wird jetzt wieder unkritisch nachgebetet. Da es sich um ein Blatt mit wissenschaftlichem Anspruch handelt, wenn gleich populärwissenschaftlich, beziehe ich meine Kritik im Folgenden nur auf den SPEKTRUM-Artikel, die aber auch für all die anderen gelten soll.

Wie die Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy unschlagbar schlüssig nachgewiesen hat, beruht die Entwicklung zum Sozialwesen Mensch auf der female choice und der langen Kindheitsphase, die zusammen automatisch in Matrifokalität, d.h. Matrilokalität und Matrilinearität, führen. Noch in den jungsteinzeitlichen Kulturen ist diese Matrifokalität zu finden, z.B. in Çatal Höyük, Kfar Hahoresh, der Starčevo-Kultur usw., wie es Ian Hodder und Kurt W. Alt nachgewiesen haben.
Völlig veraltet sind die Thesen der Anthropologie, die Caroline Bauer einschiebt: „Bisher glaubten Anthropologen und Anthropologinnen, dass es besonders für Frauen vorteilhafter sei, monogam zu leben, weil der Mann sie somit bei der Kinderaufzucht besser unterstützen könne. Oder dass Männer untereinander im Wettbewerb stünden und darum ihre Partnerin gegen Nebenbuhler abschirmten.“ Auch Sarah Blaffer Hrdy hat das einmal geglaubt, wie sie selbst in Fußnote 20 auf Seite 448 ihres Buches „Mütter und andere“ (2010) schrieb, hat aber den fundamentalen Irrtum erkannt.

Heute sprechen Anthropologen von „Gen-Shopping“, wenn eine Frau fremd geht. Sie trauen sich nicht, die evolutionäre Regel, nach der idealerweise jedes Kind einer Frau von einem anderen Mann ist, auszusprechen, da das erhebliche gesellschaftliche Sprengkraft besitzt. Die Regel ist beinahe selbsterklärend, da eine Frau in ihrem Leben vergleichsweise nur wenige Nachkommen hat und genetische Vielfalt zu einer gesunden Population führt.
Unter diesen natürlichen Umständen kann sich kein Bewusstsein für Patrilinearität herausbilden und auch keine Patrilokalität durchgesetzt werden. Kein Vater lebt in der Sippe seiner leiblichen Kinder. Eine Frau braucht auch keinen männlichen Alleinernährer, denn in ihrer matrifokalen Sippe sind alle als sog. Alloeltern an der Kinderpflege beteiligt, wie Sarah Blaffer Hrdy es schlagkräftig nachweisen konnte.
Die female choice dient auch der unmittelbaren Gesunderhaltung, denn ein offensichtlich erkrankter Mann ist für eine Frau eher nicht attraktiv. Eine geschlechtskranke Frau wird sich enthalten, da die Entzündungen Schmerzen beim Sex verursachen.
Auch zur Geschichte der Geschlechtskrankheiten brauchen die Autoren der Studie offenbar noch etwas Nachhilfe: Die Syphilis stammt aus Südamerika. Die Indigenen dort sind seit Jahrzehntausenden an die Syphilis angepasst und ihr Immunsystem kommt damit gut zurecht. Erst in Europa eingeschleppt wurde die Syphilis zum echten Problem. Weil das die These stört, stellen Bauch/McElreath den südamerikanischen Usprung der Syphilis in Frage: „Syphilis existed for certain by the Fifteenth century, although there is debate about whether its origin was Colombian or pre-Colombian“.
Die Gonorrhoe war schon in der Antike bekannt und sie erzeugt sehr unattraktive und unangenehme Symptome, insbesondere beim Mann. Das griechische Patriarchat nahm jedoch keinerlei Rücksicht auf die Wahl der Frau, und Prostitution war an der Tagesordnung. Es wundert nicht, dass sich die Krankheit unter solchen Bedingungen ungehindert ausbreiten konnte, während sie unter natürlichen Bedingungen so gefährlich oder ungefährlich wie jede andere Krankheit auch war.
Viele Menschen haben Chlamydien, ohne jemals daran zu erkranken. Manche Menschen erkranken, ohne es zu merken. Dies ist die Folge einer evolutionären Anpassung, die der Populationsgröße bis heute keinen nennenswerten Abbruch getan hat.
Face of a man affected with tertiary syphilis Wellcome L0062301
Im Bild: Mann mit tertiärer Syphilis.

Caroline Bauer schreibt in Bezug auf die Geburtenrate: „Im Normalfall wäre es evolutionär günstiger, wenn ein Mann mit mehreren Frauen zusammenlebt“. Die Rechnung „Masse ist Klasse“, die die Macher der Studie aufstellen, könnte eine erschreckende Unkenntnis der evolutionären Zusammenhänge verraten, aber es scheint mir eher, als täuschten sie das nur vor. Denn eigentlich weiß jeder Evolutionsbiologie, dass genetische Vielfalt wesentlich wichtiger ist. Auch ist eine überhöhte Geburtenrate bekanntermaßen evolutionär ungünstig, denn es entsteht Populationsstress, der schließlich zum Zusammenbruch führt. Die female choice wirkt dagegen als eine natürliche Geburtenkontrolle, die nicht nur zur maximal möglichen Vielfalt führt, sondern auch zu einer gleich bleibenden Gruppengröße. Letztere ändert sich nur dann, wenn sich die Umweltbedingungen ändern. Warum das alles so ist, ist hier von mir zusammengefasst: http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm

Sowohl polygame, als auch monogame Völker sind Patriarchate, die immer eine Überbevölkerung produzieren. Die Ehe, ob polygam oder monogam, entzieht der Frau jede sexuelle Entscheidungsfreiheit. Die noch höhere Überlebensrate bei polygamen Völkern hängt nicht mit der männlichen Potenz zusammen, sondern damit, dass sich die Frauen bei der Kinderpflege gegenseitig helfen können und zudem nur einen Mann gemeinsam am Hals haben, der sich von den Frauen versorgt lässt.
„Evolutionär günstiger“ wäre es also, die female choice nicht zu unterdrücken, dann kann die Population gegen eine Krankheit Abwehrkräfte entwickeln, und die Gelegenheiten zur Infektion würden sinken, denn beide Geschlechter haben unter der female choice weniger Sex. Aber zu dieser Entscheidung würde sich kein eingefleischter Patriarch durchringen. Der patriarchale Mann verhält sich im Gegenteil überaus krankheitsfördernd. Der polygame Mann verringert die genetische Vielfalt erheblich und verhindert die natürliche Auslese, das ist evolutionär alles andere als günstig, es ist sogar der ungünstigste Fall.
Der „monogame“ Mann nutzt Prostitution, und schon vor der Ehe kann er sich infizieren, denn von keinem Mann wird verlangt, dass er jungfräulich in die Ehe geht, im Gegenteil! Die Krankheitserreger landen letztlich auch bei der treuen Ehefrau. Bekommt sie deshalb keine Kinder oder stirbt sie, nimmt er sich eine neue…. Der monogame Mann bleibt eine Märchenfigur, und das „costly punishment“ ist ein Mythos, denn Patriarchate feiern die männliche Potenz, statt sie zu unterdrücken.

Keine Frau, kein Mann konnte aber letztlich wissen, dass die Erkrankung die Folge von Sex ist. Warum sollten sie also auf die Idee kommen, deshalb monogam zu leben?

Was also ist dann der Grund, warum Menschen heute in Paaren leben? Die Frage ist doch längst von der Patriarchatsforschung beantwortet worden. Unter natürlichen Bedingungen kann sich kein Patriarchat herausbilden. Kein Mann kann hier die Sexualität der Frauen kontrollieren, es gibt keine Ehe. Der Grund, warum wir heute in Paaren leben, ist keine Geschlechtskrankheit, sondern allein die Unterdrückung der female choice zur Durchsetzung der Ehe. Es ist allein die Krankheit Patriarchat.
Das Patriarchat ist eine Erfindung der ersten Viehnomaden vor ca. 8000 Jahren. Jede außereheliche Beziehung der Frau wäre eine Gefahr für die wirtschaftliche Existenz des Patriarchen gewesen, der seine Herde zusammenhalten musste und Söhne brauchte. Hier entwickelte sich das Bewusstsein für Patrilinearität, die mit Patrilokalität, also der Gefangennahme der Frau, durchgesetzt wurde. Auf meiner Homepage können Sie dies ausführlich nachlesen:
http://www.gabriele-uhlmann.de/patriarchat.htm

Fazit: Dass Anthropologen bisher keinen evolutionären Nutzen in der Monogamie erkennen konnten, wie Caroline Bauer schreibt, ist darin begründet, dass es a) keinen Nutzen gibt und b) die Monogamie nicht evolutionär bedingt ist. Offenbar darf das beides nicht sein.
Entsprechend gestaltete sich die Zusammensetzung der verarbeiteten Daten. Wären matrifokale Völker in die Studie einbezogen worden, wäre herausgekommen, dass hier die Krankheitsrate am niedrigsten ist. Aber das durfte ja nicht passieren. Es wurde also die patriarchale Polygamie der patriarchalen Monogamie gegenübergestellt, als gäbe es keine matrifokalen Völker und als hätte es sie nie gegeben. Polygamie, im Christentum geächtet, kann jetzt als gefährlich dargestellt werden. Das Ergebnis der Studie stand also schon vorher fest.
Mir scheint, die Autoren der Studie wollen Angst vor Geschlechtskrankheiten schüren und damit die Ehe und das christliche Abendland retten.
Informationen zu den Autoren der Studie, Chris T. Bauch und Richard McElreath.
http://www.math.uwaterloo.ca/~cbauch/cv.html
https://www.mpg.de/9349950/anthropologie_wissM4

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Live: Der Zusammenbruch einer Zivilisation http://test.catal.de/live-der-zusammenbruch-einer-zivilisation http://test.catal.de/live-der-zusammenbruch-einer-zivilisation#respond Thu, 11 Feb 2016 14:36:05 +0000 https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/?p=364 Apamea 01

Ein kluger Artikel auf FAZ-online über die wahren Hintergründe des Syrienkonflikts beschreibt, dass es nicht um Menschen geht, weder auf amerikanischer noch auf russischer, chinesischer, ja nicht einmal auf syrischer Seite selbst. Syrien ist strategischer Raum, die Menschen sind denen da oben schnurzpiepegal. Soweit geht die Analyse der FAZ, aber leider nicht weiter.
Die Menschen in Syrien sind lästig, sie stören. Also weg damit. Warum gibt es kein echtes Erbarmen? Das Problem ist hausgemacht, denn der Mensch wäre dort sowieso längst nicht mehr, hätte es keine Schaf-, Ziegen- und Rinderherden gegeben. Syrien ist ein menschenfeindliches Land und zwar schon seit mehreren tausend Jahren, denn Syrien ist eine Steppe an der Schwelle zur Wüste. Nur an wenigen Flussoasen ist Landwirtschaft möglich. Dürren sind auch hier eine stete Bedrohung und die menschengemachte Erosion geht voran. Mehr als Massentierhaltung auf spärlichem Gras geht dort nicht, und diese wurde von Beginn an von Patriarchen betrieben. Die aktuellen Ereignisse zeigen, dass auch das nur eine Episode, ein kurzes Aufbäumen gegen Mutter Natur bleiben kann. Das Land ist dem Untergang geweiht, nicht trotz, sondern wegen des Patriarchats.

In Syrien erleben wir live den selbstverantworteten Zusammenbruch einer patriarchalen Zivilisation, ein Schicksal, das in der Vergangenheit alle patriarchalen Zivilisationen irgendwann geteilt haben. In Syrien gab es vor 6000 Jahren noch lebensfreundliche Gegenden, von denen kulturelle Impulse ausgingen, doch sie waren klimatisch dem Untergang geweiht. Statt dass sich die Bevölkerung auf natürlichem Wege gesund schrumpfte, statt dass die Menschen weniger wurden, wurden sie immer mehr. Mehr als je zuvor, auch trotz der damals schon stattfindenden Migrationen.
Wie konnte das passieren? Wo vorher noch alles allen, nämlich der matrilinearen Sippe gehörte, begannen nun Männer, Brüder die wenigen Haustiere und das Land an sich zu reißen. Und die Tiere wurden immer mehr. Es wurden daher mehr Männer gebraucht, Arbeitskräfte, auf die sie sich verlassen konnten, die ihnen ihrerseits die Tiere nicht stahlen und sie auch im Alter nicht im Stich ließen. Aber sie hatten ganz am Anfang keine Söhne, jeder Mann kannte nur seine Mutter und seine Geschwister. Die Patrilinearität, die bis dahin völlig unbekannt war, musste also hergestellt werden. Das war der Beginn des Patriarchats. Nur, dazu brauchte es Frauen. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen? Und so standen am Beginn des Patriarchats Entführungen und Vergewaltigungen. Die Sexualität der bis dahin freien Frau wurde fortan unterdrückt, denn nur so konnten die Männer ihrer Söhne habhaft zu werden. Nichts anderes erleben wir bis heute, nicht nur mit Boko Haram oder dem sog. IS.

SyrianBoy

Mit dem Patriarchat veränderte sich das Sozialgefüge, bei dem einst die Sorge für Mütter und Kinder (also aller) im Mittelpunkt stand (Matrifokalität), grundlegend und nachhaltig. Die Sorge der patriarchalen Familie dreht sich um das Wohl der männlichen Mitglieder. Frauen helfen sich daher kaum noch gegenseitig, sie sind ja auch nicht mehr blutsverwandt. Sie werden nicht nur für das sexuelle Wohlergehen des Mannes verantwortlich gemacht. Seit Beginn des Patriarchats mussten Frauen Ehemännern im Jahresrhythmus Kinder schenken, die auch erwachsen wurden. Die Ernährung mit Milch und Fleisch machte es möglich. Söhne waren und sind bis heute bevorzugt. Töchter oder Ehefrauen waren und sind zu teuer, die Frauen waren und sind „unwillig“, die Mütter waren und sind überfordert, Frauenhass machte sich breit.

Riesige Viehherden durchstreiften nun mit ihren Pastoren, den Viehhirten, das Land, die Frauen im wahrsten Sinne des Wortes immer im Schlepptau. Die Überweidung durch das Viehnomadentum erreichte jeden Winkel, die Erosion des nahm ihren Lauf. Auf der Suche nach brauchbarem Grasland oder neuen Frauen prallten die Patriarchen immer wieder aneinander, der Krieg, die organisierte Gewalt, war erfunden und endet bis heute nicht. Um Gras und Frauen geht es heute nur noch den Männern auf der Straße. Den Mächten geht es um Rohstoffe, Zugänge und Durchgänge.

Flüchtinge 9999-Michelides

Mehr als ein wenig Viehwirtschaft, Handel und Tourismus lässt sich in Syrien, genau genommen im gesamten Nahen und Mittleren Osten, nicht betreiben. Wo also sollen jetzt all die Menschen hin, die aus den Städten vertrieben werden? Viehherden haben sie schon lange nicht mehr, ihre Geschäfte und Handelswege sind zerbombt, Touristen kommen nicht mehr. Die Menschen sind obdachlos und den Regimes sind sie völlig schnuppe. Das syrische Regime und Putin sind froh, wenn sie endlich alle tot oder vertrieben sind. So dachten schon die Herrscher in der Antike. Mit Sintfluten und Naturkatastrophen befreite sich der assyrische, der hethitische und der abrahamitische Gott, allesamt sog. Wettergötter, von der lästigen und als zu laut empfundenen Bevölkerung, genauso können wir es nachlesen. Dabei hatten sich eben diese Wettergötter vorgenommen, ihre „Schäfchen“ zu stillen. Kriege wurden auf diese Weise legitimiert, allerdings nicht weniger leise. Das Versagen und die Unfähigkeit der Götter und der Herrscher in ihrem Versprechen, wie eine Mutter für die Menschen zu sorgen, macht sich an allen Ecken und Enden bemerkbar.

Wenn alle tot gebombt sind, könnte es sich Assad in seinem Palast gemütlich machen… aber dann werden die Potentaten aus Russland, China oder den USA ihn nicht mehr brauchen und erledigen. Die brauchen nur das pure Land, das sie bequem als strategisches Gebiet zur Eroberung der Welt nutzen wollen. Das Patriarchat in Reinkultur kümmert sich nicht um Menschen, sondern um den Profit. Kümmert es sich ausnahmsweise doch einmal um Menschen, z.B. um Assad oder um alleinerziehende Mütter, dann nicht bedingungslos und schon gar nicht uneigennützig. Aber das Öl wird irgendwann alle sein. Vielleicht versuchen die Scheichs, in Europa einen islamischen Staat aufzubauen, damit sie am Ende des Ölzeitalters hier weitermachen können.

Es wäre klug, den Menschen, die zu uns kommen, auch diese Zusammenhänge zu erklären. Die Weisheit von Mutter Natur wird den patriarchalen Menschen völlig von Mutter Erde verbannen. Die Mächtigen haben längst begonnen, den Menschen auf den Mond zu schießen.

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Die Busenwand – ein neuer Fall von Sexismus in der Archäologie http://test.catal.de/die-busenwand-ein-neuer-fall-von-sexismus-in-der-archaeologie Sun, 24 Jan 2016 15:52:52 +0000 https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/?p=207 Jungsteinzeitlicher Wandfries zeigt eine matrilineare AhnenreiheWandfries aus

Bildquelle: Homepage SWR2

Als Sensation kann man die Präsentation des rekonstruierten Wandfrieses aus der Pfahlbaukultur vom Bodensee ( Ludwigshafen ), die bei der Großen Landesaustellung Baden-Württemberg 2016 in Bad Buchau und in Kloster Schussenried gezeigt werden wird, schon bezeichnen. Sie ist in ihrer monumentalen Größe ein bislang einzigartiger Fund. Der offizielle Arbeitstitel „Busenwand“ ist in Anbetracht der endlich stattfindenden Sexismus-Debatte allerdings sensationell ignorant.

Die „Busenwand“ hat es, wie könnte es anders sein, als „sensationelle Busenwand“ in die Schlagzeilen geschafft und sie ist der zur Ausstellung wegweisende Hashtag. Da sind tatsächlich auch Busen zu sehen, sie sind jedoch lediglich Elemente einer Wandinstallation mit mindestens 7 Frauengestalten, zwischen denen sich weitere Motive mit symbolischer Bedeutung befinden. „Welche Symbolik lässt sich denn dahinter vermuten, eine pornografische etwa?“, fragt Tobias Ignée vom SWR2-Radio (SWR2-Interview vom 20.1.2016, 12.33 Uhr). Wer regelmäßig archäologische Berichterstattung ließt, ist davon nicht überrascht, auch nicht vom „Riesenbusen“, der aufpoppt, wenn man das Interview auf der Homepage des SWR anhören will. Interessant ist aber die Antwort Dr. Helmut Schlichtherles, des Chefs der Unterwasserarchäologie im Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, der die Ausstellung wissenschaftlich berät: „Also zunächst hat man gesagt, ja gut, also Fruchtbarkeitssymbolik vielleicht, es gibt ja auch das Diktum einer Großen Muttergöttin der Jungsteinzeit, das immer wieder durch die Literatur geistert. Und wir sind zunächst auch mit diesen ja sehr schwammigen Hypothesen angetreten und haben dann aber gesehen, hoppla, da ist ja nicht nur eine, da sind mindestens sieben, alle gleich groß, alle nebeneinander in einem Fries, und da sind ja Zwischenmotive. Und über die Zwischenmotive sind wir sehr viel schlauer geworden und unter anderem auch über die Köpfe der Frauengestalten. Die Köpfe sind sonnenförmig. Und mit den Zwischenmotiven können wir sagen, da sind Ahnenreihen dargestellt. Es sind auch Zeitgenossen dargestellt, also ganz kleine anthropomorphe Signets und es gibt also einen Zusammenhang zwischen Ahnenverehrung, Ahnenreihen und diesen großen Weiblichen gestalten.
Hoppla, dieser offiziellen Deutung des Fundes kann ja aus Sicht der Patriarchatsforschung im Großen und Ganzen zugestimmt werden! Es handelt sich um nicht mehr und nicht weniger als den Nachweis von Matrilinearität, die seriöse Bezeichnung lautet damit Ahninnenwand. Sie ist der Beweis, dass diese Kultur, die Pfyner-Kultur (einer der Michelsberger Kultur zugeordneten Untergruppe), kein Patriarchat war. Die eigentliche Sensation ist also, dass die Matrilfokalität der Altsteinzeit sich nachweislich vielerorts bis in die späte Jungsteinzeit halten konnte. Vielerorts deshalb, weil derartige Brüste auch an anderen Stellen gefunden wurden, so auch in Mönchberg, Goldberg, Reute-Schorrenried, Heilbronn-Klingenberg und Remseck-Aldingen (Quelle: Literaturhinweis 2). Aber darüber erfahren wir nichts.
Es wird uns so wenig mitgeteilt, weil am Dogma des ewigen und allgegenwärtigen Patriarchats nicht gerüttelt werden darf. Genau darum geht es letztlich bei allen sexistischen Bemerkungen, die Archäologen immer wieder in der Öffentlichkeit äußern.
Diese Form des Sexismus dient nicht in erster Linie der Unterdrückung der Frau, sondern der Unterdrückung der Tatsache, dass die Frau in der Urgeschichte nicht unterdrückt war. Die Muttergöttin „geistert“ nicht umsonst durch die Literatur, ihre Präsenz ist eine direkte Folge der Matrilinearität, und sie ist selbst-verständlich im Gegensatz zur schwer verständlichen Vatergott-Theologie. Als Maria, Fatima, Heiliger Geist, Kali etc. hält sie sich bis in die Gegenwart, weil die Menschheit nun einmal matrifokal ist. Ihre Natur aber wird vom Patriarchat unterdrückt.
Welche Bedeutung steht denn hinter diesem Zusammenhang, haben Sie da irgendwie den Code schon geknackt?“, fragt Tobias Ignée nach. „Es lässt sich auf etwa zeitgleichen Keramikgefäßen sehen, dass die Ahnenreihen zu diesen großen Frauen mit ihren sonnenförmigen Köpfen hinführen, so eine Mischung aus Ahnengestalt mit göttlichen, kosmischen Bezügen“, antwortet Schlichtherle darauf. Und da ist sie doch schon wieder, die Göttin, man wird niemals drum rum kommen. Tobias Ignée reagiert beinahe sprachlos: „Und das alles auf 7 Meter?“ „Ja,“, antwortet Schlichtherle, „und das auf 7 Meter, mindestens sieben mal, sich wiederholend aber in Details unterschiedlich, auch das ist dann sehr interessant. Man kann also sehen, dass die einzelnen Individuen, also diese großen Frauen, dass man die auch unterscheiden wollte, die hatten sicher auch ihre eigenen Namen und auch ihren eigenen kleinen Mythos.

Schlichtherle erklärt hier unbeabsichtigt die Wurzeln der Religion. Das Wort „religio“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Rückbindung“. Wer die Bibel ließt, wird darin tatsächlich viele Rückbindungen finden, und zwar Rückbindungen an patrilineare Ahnen. Wir lesen beispielsweise in Matthäus, Kapitel 1 eine schier endlose Aufzählung vermeintlicher, männlicher Ahnen Jesu. Sie mag unwichtig erscheinen, ist aber von elementarer Bedeutung für die Kirchenväter:

1 Dies ist das Buch von der Geburt Jesu Christi, der da ist ein Sohn Davids, des Sohnes Abrahams. 2 Abraham zeugte Isaak. Isaak zeugte Jakob. Jakob zeugte Juda und seine Brüder. 3 Juda zeugte Perez und Serah von Thamar. Perez zeugte Hezron. Hezron zeugte Ram. 4 Ram zeugte Amminadab. Amminadab zeugte Nahesson. Nahesson zeugte Salma. 5 Salma zeugte Boas von der Rahab. Boas zeugte Obed von der Ruth. Obed zeugte Jesse. 6 Jesse zeugte den König David. Der König David zeugte Salomo von dem Weib des Uria. 7 Salomo zeugte Rehabeam. Rehabeam zeugte Abia. Abia zeugte Asa. 8 Asa zeugte Josaphat. Josaphat zeugte Joram. Joram zeugte Usia. 9 Usia zeugte Jotham. Jotham zeugte Ahas. Ahas zeugte Hiskia. 10 Hiskia zeugte Manasse. Manasse zeugte Amon. Amon zeugte Josia. 11 Josia zeugte Jechonja und seine Brüder um die Zeit der babylonischen Gefangenschaft. 12 Nach der babylonischen Gefangenschaft zeugte Jechonja Sealthiel. Sealthiel zeugte Serubabel. 13 Serubabel zeugte Abiud. Abiud zeugte Eliakim. Eliakim zeugte Asor. 14 Asor zeugte Zadok. Zadok zeugte Achim. Achim zeugte Eliud. 15 Eliud zeugte Eleasar. Eleasar zeugte Matthan. Matthan zeugte Jakob. 16 Jakob zeugte Joseph, den Mann Marias, von welcher ist geboren Jesus, der da heißt Christus 17 Alle Glieder von Abraham bis auf David sind vierzehn Glieder. Von David bis auf die Gefangenschaft sind vierzehn Glieder. Von der babylonischen Gefangenschaft bis auf Christus sind vierzehn Glieder.
(Quelle: http://www.bibel-online.net/buch/luther_1912/matthaeus/1/)

Josef war nicht der leibliche Vater Jesu, das wird im Neuen Testament deutlich. Jesus führt sich stattdessen auf die kurze, uneheliche weibliche Ahnenreihe Anna und Maria zurück. Das ärgert die Patriarchen natürlich. Die Matrilinie muss überschrieben werden. So ermüdend sich die männliche Ahnenreihe Jesu nun auch liest, sie ist der Kern der biblischen Aussage: Es gibt keine Urmutter, die weibliche Ahnenreihe ist bedeutungslos.

Seit den Anfängen und bis heute sind sehr viele Archäologen zugleich auch Theologen oder haben einen mehr oder weniger engen Bezug zur Kirche. Sie versuchen auch, die Bibel anhand ihrer Funde zu beweisen, hat doch die Evolutionslehre und jüngst auch die Anthropologie an ihren Grundfesten gerüttelt. Und so ist ihnen jedes Mittel Recht. Sexismus ist ein Weg, unliebsame Meinungen loszuwerden.
Ein besonders prominentes Beispiel ist die Urmutter vom Hohle Fels, offziell „Venus vom Hohle Fels“, die älteste Figurine der Menschheit (ca. 35.000 bis 40.000 Jahre alt). Sie wurde als „nach heutigen Maßstäben an Pornografie grenzend“ besprochen, „das Stück“ sei „aufgeladen mit sexueller Energie“, einem „Brathähnchen ähnlich“. Sie wurde als „Henny“, als „schwäbische Eva“ oder „Frau Fröhlich“ bezeichnet, ihre Höhle sei „wohl ein heißer Sexunterschlupf“ gewesen. Dazu habe ich mich bereits auf meiner Homepage gabriele-uhlmann.de ausführlich geäußert.

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Urmutter vom Hohle Fels, Elfenbein, Höhe 6 cm

Der Begriff „Venus“ für altsteinzeitliche Frauendarstellungen war damals schon ironisch gemeint. Man fand die Figurinen hässlich, eine Frau hatte aber hübsch zu sein. Der Venus-Begriff ist also sexistisch, und dies hat einen noch triftigeren Hintergrund. Die Verortung der Figurine irgendwo im römischen Polytheismus als Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin Venus macht sie zu einer von Vielen, zu einer Unbedeutenden, jedenfalls nicht zu dem, was sie ist, einer Urmutter einer matrifokalen Sippe.

Archäologen haben nicht nur Schwierigkeiten im Umgang mit der Würde der Frau, sondern auch im Umgang mit ihrer Nacktheit. Schlichtherle antwortet in dem Radio-Interview auf die Frage „Wie bekam denn dann die Arbeitshypothese den Arbeitstitel ‚Busenwand‘?“: „Ja, das war naheliegend. Die Brüste sind auch jetzt und waren sicher auch in der Jungsteinzeit das herausragende, das besondere Merkmal dieser Wand. Alles andere ist in Flachmalereien mit weißer Farbe aufgemalt, da sind also auch Gestalten, dann Konturlinien, Arme und Hände, aber die Brüste sind plastisch. Die haben was Haptisches, und wenn man in diesen Raum reingekommen ist, wenn man ins Dämmerlicht des Hauses trat, dann strahlten die sicher mit ihrer weißen Punktbemalung aus dieser Wand heraus und waren das auffällige Merkmal.“ Sicherlich gilt diese Behauptung für den Fall, dass moderne Männer den Raum betreten. Aber der Raum war von Frauen für Frauen gemacht, aber auch für Männer, die sich ebenfalls nur über ihre Mütter definierten, und für die die Nacktheit von Frauen keine Aufforderung zu sexuellen Handlungen war. Die Frauen der Naturvölker tragen ihre Brüste immer noch nackt und ihr Anblick ist so selbstverständlich wie der Anblick eines Männeroberkörpers. In Matrilinearität, und damit auch Matrifokalität, leben die Männer mit ihren Schwestern zusammen. Die natürliche, chemotaktische Inzestschranke verhindert sexuelle Beziehungen zwischen ihnen. Jungen wie Mädchen werden bis ins 6. Lebensjahr gestillt und sind daher daran gewöhnt, die Brust als Quelle von Milch und Geborgenheit wahrzunehmen. Dafür stehen sicherlich auch die weißen Punkte der Wandinstallation, die übrigens nicht nur auf den Brüsten, sondern über den gesamten Frauenkörpern verteilt sind.
Die Brüste haben natürlich aus der Sicht von Kleinkindern „etwas Haptisches“, aber eben auch aus der Sicht von Busengrabschern. Ich will damit niemandem etwas unterstellen. Die Sexismus-Debatte hat jedoch deutlich gemacht, dass der Blick auf den weiblichen Körper in unseren Gesellschaften provoziert, weil die Frau im Patriarchat als Objekt gilt. Diese „Objektivierung“ wird in der Debatte allerdings nicht auseinandergenommen. Statt echter Aufklärung mit dem Wissen der Patriarchatsforschung werden Erziehung und strafende Gesetze als Gegenmittel gefordert. Ideologie wird gegen Ideologie gestellt, nachhaltig kann das nicht sein, aber man begibt sich damit wenigstens nicht in den gefürchteten Biologismus-Verdacht.

Die Frau als Objekt ist – das könnten wir schon heute auf interdisziplinärer Basis in den Schulen lehren, aber noch nicht lernen – das Ergebnis eines Irrtums, der den ersten Viehzüchternomaden der Steppe passierte, der Irrtum, dass die Frau nur das Gefäß des männlichen Samens sei. Dieser Irrtum verbreitete sich mit den ersten Kriegen über Europa und über die Welt. Der Same gehört seitdem in die Metaphorik der Ackerfurche und des Pflugs, der seit der späten Jungsteinzeit von Männern geführt wurde. Biologisch völlig falsch ist dieser Begriff, handelt es sich beim Sperma doch in Wahrheit nur um Pollen. Der Mann schwang sich damit aber zum Schöpfer auf, er begann die Natur nach seinem Willen zu formen: er züchtete Tiere (und später auch Pflanzen) und forderte eine „züchtige“ Frau. In diesem viehnomadischen Weltbild müssen Frauen, die ihre female choice leben und damit Matrilinearität herstellen können, „gebranntmarkt“ und „gezüchtigt“ werden. Das ist das Wesen des Sexismus.

tannenbaum-signet

Ausschnitt aus dem Wandfries, „Tannenbaum“. Gestapelte Beine in Gebärhaltung und Töchter.

Was die Bedeutung des Wandfrieses angeht, so wäre die Deutung der Signets für das Publikum von Interesse (gewesen), dass die „Tannenbäume“ ebenfalls in den Kontext der Matrilinearität gehören. Es handelt sich um übereinander gestapelte Beine in Gebärhaltung. Sie entsprechen den Matrioschka-Puppen, die wir aus Russland kennen. Es handelt sich demnach um den, im besten Sinne des Wortes, „Stammbaum“ der Sippe, wenn auch Sippen keine Stämme bilden. Die kleinen Figuren unterhalb der Frauen dürften für die Zahl ihrer Töchter stehen. Wir haben es damit tatsächlich mit einer Bilderschrift zu tun, die uns die Geschichte der Sippe mit 7 zeitgleichen Müttern, Schwestern, erzählt. Die Sonnensymbolik fügt sich darin ein. Die Sonne mit ihren Auf- und Untergängen, steht für Leben, Sterben und Regeneration im Bauch von Mutter Erde. Die Sonne war in der matrifokalen Frühgeschichte weiblich. Bei uns ist sie dies bis heute, im Gegensatz zum östlichen Kulturkreis, dessen Religionen von Patriarchen in Europa gewaltsam verbreitet wurden.

Quellen

Soweit nicht anders angegeben, stammen sämtliche Zitate dieses Artikels aus dem Radio-Interview des SWR2 von Tobias Ignée mit Dr. Helmut Schlichtherle vom 20.1. 2016 um 12.33 Uhr

Weiterführende Literatur:

  1. Schlichtherle, Helmut: Ein gynäkomorphes Wandrelief vom Mönchberg bei Stuttgart-Untertürkheim. In: Dobiat, Claus; Leidorf, Klaus: Tradition und Innovation. Prähistorische Archäologie als historische Wissenschaft. Festschrift für Christian Strahm. S. 119-127. Rahden/Westf. 1997
  2. Uhlmann, Gabriele: Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte. Norderstedt 2012 http://www.amazon.de/dp/3844814205
  3. Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat. Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt. Norderstedt 2015 http://www.amazon.de/dp/3738639012
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